Packende Geschichten auf der Leinwand
Das vierte Zurich Film Festival, das bis zum 5. Oktober stattfindet, präsentiert in seiner Reihe «Neue Welt Sicht» Filme aus Israel. Die meisten Filme, die in Zürich zu sehen sein werden, haben an den renommiertesten Festivals der Welt teilgenommen und sind von Berlin über Cannes, Sundance und Los Angeles mit Trophäen beschenkt oder für Preise nominiert worden.
Alle Filme bestechen durch die packende Art, Geschichten zu erzählen. Dies gilt für «For My Father» von Dror Zahavi, einen gar rührseligen Film über die Liebesbeziehung zwischen einem mit Sprengstoff umgürteten ehemaligen Fussballer auf dem Weg zum Selbstmordattentat und einer Tel Aviver Jüdin aus orthodoxemElternhaus, ebenso wie für «Sweet Mud», eine humorvoll erzählte Tragödie über Liebe im Kibbuz Anfang der siebziger Jahre, aus der Perspektive eines zwölfjährigen Jungen. Dies gilt auch für «Noodle», eine romantische Komödie von Ayelet Menahemi, die vor dem Hintergrund ausländischer Schwarzarbeiter in Israel spielt.
Politisches Bewusstsein
Bei aller Vielfalt der geschilderten Milieus und der künstlerischen Mittel beziehen sich die Filme meist auf verdrängte Probleme der israelischen Gesellschaft. So spielt «Beaufort» während des zweiten Libanon-Kriegs im Innern der gleichnamigen Kreuzfahrerfestung, die den Israeli als Stützpunkt dient und von der Hizbollah während des ganzen Filmes beschossen wird. Auch «Waltz with Bashir» spielt im Libanon-Krieg, wenn auch im ersten. Die animierte Reportage führt in die erwachende Erinnerung eines traumatisierten Soldaten. Politisches Bewusstsein findet sich auch in «Shiv’a - Seven Days» von Ronit und Shlomi Elkabetz, das die Rolle der Frau in einem patriarchalischen Familienmilieu thematisiert.
Präsenter Nachwuchs
Auch der Nachwuchs ist am Festival präsent: Natalie Assoulines Dokumentarfilm «Brides of Allah» wirft einen Blick in ein israelisches Frauengefängnis und lässt palästinensische Frauen zu Wort kommen, die bei den Vorbereitungen zu einem Terroranschlag verhaftet wurden. In «Three Times Divorced» von Ibtisam Mara’ana hetzt die Palästinenserin Khitam von einer bürokratischen Hürde zur andern und kämpft um das Sorgerecht für ihre Kinder. Zwei Kurzfilmblöcke mit Filmen israelischer Studenten, darunter der diesjährige Cannes-Preisträger «Anthem» von Elad Keidan, gewähren einen Einblick in die Filmschulen Beit Berl College of Arts und Sam Spiegel School. Die Studentenfilme werden in Zusammenarbeit mit den Kurzfilmtagen Winterthur präsentiert, wo vom 5. bis zum 9. November weitere israelische Kurzfilme auf dem Programm stehen werden.
Alexander Alon
Das vollständiges Programm des Zurich Film Festivals finden sie hier. Die Regisseure Zahavi, Shaul und Menahemi werden an der Premiere ihrer Filme anwesend sein.
Das Programm der Kurzfilmtage Winterthur findet sich ab Oktober auf kurzfilmtage.ch.

