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26. September 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 39/40 Ausgabe: Nr. 39 » September 26, 2008

Auf der Suche nach der Bestleistung

September 26, 2008
Eine Delegation von israelischen Managern besucht die Elite der Schweizer Wirtschaft und der Politik.

Zu einem Networking-Event luden am 11. September die Handelskammern Schweiz-Israel und Schweiz-USA. Die Ökonomen Shlomo Maital und Lester Thurow sprachen über unterschiedliche Aspekte der Globalisierung. Thurow weissagte, dass die gegenwärtige Rezession V-förmig verlaufen werde: Auf den steilen Abstieg werde ein ebenso steiler Anstieg folgen. Das Grundübel, ergänzte Maital, bestehe darin, dass Ökonomie global sei, während die Politik lokal operiere; ohne weltumfassende politische Absprachen könne die Krise aber nicht gemeistert werden. Amerika hätte in der Vergangenheit die Weltwährung US-Dollar wegen eigener Interessen destabilisiert, die globale Ökonomie könne hingegen ohne eine stabile Währung nicht funktionieren. Der US-Dollar erfülle also die Bedingungen einer Weltwährung nicht und auch der Euro sei noch nicht so weit.

Benchmarking

Maital und Thurow stehen TIM Global vor, dem Technion Institute of Management, das aus Israels Hightech-Unternehmern Manager machen will, die auf dem globalen Markt reüssieren können. Dazu setzen sie innovative Lernmethoden ein, unter anderem Benchmarking, bei dem man sich an «best perfomances», Bestleistungen vergleichbarer - aber nicht zwingend derselben Industrie angehöriger - Unternehmen in Ländern mit ähnlichen Rahmenbedingungen orientiert. Die Vorträge der beiden Professoren setzten den Schlussakzent einer Benchmarking-Visite von Senior Managern von vier israelischen Firmen im Rahmen ihres Lehrganges bei TIM: Perrigo, eine pharmazeutische Gesellschaft, Ceragon Networks, das Dienstleistungen für Mobilfunknetzbetreiber erbringt, Tidhar, ein Immobilien- und Bauunternehmen, und 888, ein Online-Gaming-Unternehmen.

«Niemand versteht die Welt besser als die Schweiz», begründete Maital, akademischer Direktor von TIM Global, die Wahl des diesjährigen Reiseziels. Im Gespräch mit tachles legte Maital dar, dass es darum gehe, das Geheimnis eines Landes zu verstehen, das 35 globale Unternehmen als Sitz ihres Hauptquartiers auserkoren haben. Manchmal seien es simple Dinge, die für globale Unternehmen den Ausschlag geben, in ein bestimmtes Land zu ziehen: Sauberkeit, gute Infrastruktur ein gutes Unterrichtssystem, aber auch Schulen, deren Unterrichtssprache Englisch ist. Die bekannte Wertschätzung sprachlicher Minoritäten in der Schweiz hätten die israelischen Manager auch bei Nestlé ausmachen können. «Im Hauptquartier von Nestlé werden 32 Sprachen gesprochen, aber in einem Meeting wird stets die Sprache der Minderheit gewählt», erzählt Maital beeindruckt. Im Hinblick auf seine politischen Minderheiten könne Israel von diesem Demokratieverständnis, das den Respekt der Minderheit propagiert, lernen. Nicht umsonst hätte Bundespräsident Pascal Couchepin, von ihm nach der «Seele» der Schweiz befragt, diese mit «Konsens und Kompromiss» definiert, ergänzt Yoram Yahav, CEO von TIM.

Feldstudien mit Video

In den vier Tagen der Benchmarking-Visite gelang es TIM, mit einigen der einflussreichsten Persönlichkeiten der Schweizer Politik und Wirtschaft zu sprechen. Vom Treffen mit Bundespräsident Couchepin um 7.15 Uhr morgens eilte die Delegation nach Vevey, wo sie mit Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck-Letmathe und CEO Paul Bulcke von Nestlé zusammentraf. Von da ging es nach Genf zu STMicroelectronics, einem der weltweit grössten Halbleiterkonzerne. Mit Pascal Lamy, Generaldirektor der WTO, unterhielt sich die Delegation über die Zukunft des Welthandels. Die übrigen zwei Tage waren ähnlich voll bepackt mit Besprechungen, so unter anderem mit Alfred N. Schindler, dem Verwaltungsratspräsidenten der Schindler-Gruppe, Thomas Wellauer, Mitglied der Geschäftsleitung und Head Corporate Services der Novartis, Boaz Barack, Chairman Wealth Management Israel der UBS, sowie mit Jean-Daniel Gerber, dem Staatssekretär für Wirtschaft, und Aymo Brunetti, Chefökonom der Schweiz. Als Abschluss besuchte die Delegation die Credit Suisse und traf auf den Präsidenten des Verwaltungsrats Walter B. Kielholz. Die Veranstaltungen, so Maital, finden auf Ersuch der beteiligten Unternehmen stets unter Ausschluss der Presse statt.

Beim persönlichen Treffen mit Politikern und Wirtschaftsgrössen würden die israelischen Teilnehmer angehalten, aufgrund des Gesehenen den aus Büchern gewonnenen Eindruck zu relativieren, erklärt Maital. Besuche bei Unternehmungen würden so zu lehrreichen Feldstudien, die bisweilen mit Video dokumentiert werden. Maital propagiert diesen Ansatz, «grounded theory approach» genannt, auch für die Management-Forschung. Ziel ist es, neue Methoden zu entdecken, zu generalisieren und deren Effizienz kontinuierlich zu überprüfen. Für die Teilnehmer bedeutet das, dass sie im besten Fall die in Zürich gewonnenen Erkenntnisse auf ihre eigenen Unternehmungen übertragen werden.

Alexander Alon





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