logo
19. September 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 38 Ausgabe: Nr. 38 » September 19, 2008

Sinfonische Ost-West-Begegnungen

September 19, 2008
Einen musikalischen Brückenschlag zwischen grundverschiedenen Klangkulturen strebt das Luzerner Sinfonieorchester mit zwei Konzerten unter dem Motto «Orient & Okzident» an. Mehrere unbekannte Kompositionen stehen auf dem Programm.<br>
Viel Joseph Haydn Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung
von John Axelrod

Während der 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy am 7. Februar 2009 für das vom Chefdirigenten John Axelrod geleitete Luzerner Sinfonieorchester (LSO) kein Thema für Konzerte in der Schweiz zu sein scheint und nur mit einem Gastspiel in London gewürdigt wird, widmet das LSO einen der Programmschwerpunkte dem 200. Todestag von Joseph Haydn am 31. Mai 2009. Weitere Schwerpunkte bilden zeitgenössische Werke unter dem Motto «Neue Musik - neue Horizonte» und zwei schlicht «Orient & Okzident» betitelte Konzerte am 12. und 13. November sowie am 4. und 5. Februar 2009.

Der estnische Komponist Arvo Pärt eröffnet das erste dieser von Paul Goodwin geleiteten Konzerte mit «Orient & Occident» für Streichorchester. Im Konzert «Azul» für Violoncello und Orchester von Osvaldo Golijov, der 1960 als Sohn osteuropäischer Einwanderer in Argentinien geboren wurde, spielt Alisa Weilerstein den Solopart. Danach erklingen die «Feuersinfonie» von Joseph Haydn und eine Suite aus dem Ballett «Der Feuervogel» von Igor Strawinsky. Orientalische Klangpracht und russische Volkslieder durchdringen sich in dieser Orchesterpartitur von 1909, mit der dem jungen Russen in Paris der Durchbruch gelang.

Feuerwerk orientalischer Farben

Kirill Karabits dirigiert das zweite Konzert, das den Titel «Orient & Okzident» in Richtung türkische Musik konkretisiert. Es beginnt mit dem «Concerto turco nominato ‹Izia semaisi›», einem traditionellen Werk aus der Türkei, und setzt sich mit der «Sinfonia turchesca» von Franz Xaver Süssmayer (1766–1803) fort, von jenem Wiener Komponisten, welcher das unvollendete Requiem seines Lehrmeisters Mozart vervollständigte. Wie Mozart in der Oper «Die Entführung aus dem Serail» oder im «Rondo alla turca» huldigte auch Süssmayer der damaligen Türkenmode. Sie schlug sich in der Klassik vor allem in der Imitation der sogenannten Janitscharenmusik nieder, womit die Musik türkischer Fusstruppen mit ihrer Bevorzugung von Piccoloflöte, grosser Trommel, Becken, Triangel und Schellenbaum gemeint ist. In der Fantasie «Afrika» op. 89 für Klavier und Orchester von Camille Saint-Saëns, dem Autor der Oper «Samson und Dalila», und in der schweizerischen Erstaufführung der «Alternativen World-Versions» vom 1972 geborenen Saed Haddad stellt sich der palästinensisch-israelische Pianist Saleem Abboud Ashkar vor. Er wurde 1976 in Nazareth geboren und ist häufiger Gast beim Israel Philharmonic Orchestra und beim Jerusalem Symphony Orchestra. Den strahlenden Abschluss bildet die Sinfonische Dichtung «Scheherazade» von Nikolaj Rimski-Korsakow, ein wahres Feuerwerk bezüglich orientalischer Klangfarben.

Von Schreker bis Mahler

Kommt in diesen beiden Sonderkonzerten die Musik jüdischer Komponisten eindeutig zu kurz, so finden sich umso mehr entsprechende Werke auf den Programmen des Haydn-Zyklus und der übrigen Konzerte des LSO. Unter dem Motto «Fin de siècle» bieten die Veranstaltungen vom 22. und 23. Oktober das Intermezzo op.8 des Wiener Komponisten Franz Schreker und die 1. Sinfonie D-Dur («Titan») von Gustav Mahler an.

Die von Avner Biron geleitete Israel Camerata mit Sir James Galway (Flöte) bringt mit «Beyond All This» für Kammerorchester (Schweizer Erstaufführung) am 6. November ein 1997 entstandenes Werk des israelischen Komponisten Mark Kopytman in den Konzertsaal des KKL. Am 11. und 12. März 2009 sind Arnold Schönbergs lyrisch-schwärmerische «Verklärte Nacht» op. 4 für Streichorchester und der «Grabstein für Stephan» für Gitarre und Instrumentengruppe von György Kurtág zu hören. Der Geiger Julian Rachlin spielt am 29. und 30. April 2009 die hoch virtuose Carmen-Fantasie von Franz Waxman. Im «Nachtkonzert I» am kommenden 13. November gibt es die Violoncellistin Alisa Weilerstein und den Pianisten Igor Levit zu hören. Jüdische Musik erklingt auch in den Kammermusik-Matinees am 28. September (A. Zemlinsky: Trio op. 3, A. Schönberg: 1. Kammersinfonie op. 9) und am 30. November (A. Schnönberg: 2. Streichquartett fis-Moll op. 10, Merel Quartet).

Walter Labhart





» zurück zur Auswahl