Licht und Schatten
Zurzeit ist in Bern «Swiss Press Photo 07» zu sehen, die Ausstellung der von einer Jury ausgewählten besten Pressebilder des vergangenen Jahres. Bei der Eröffnung der Ausstellung im Berner Käfigturm sprach kein Geringerer als Oswald Sigg, Vizekanzler der Eidgenossenschaft und Sprecher des Bundesrates. Er sagte einleitend: «Bilder lösen Gedanken aus.» Dann konzentrierte er sich aufinsgesamt drei Bilder als Beispiele. Eines davon ist von besonderer Bedeutung auch für das Schweizer Judentum. Das erste Bild, das auch auf den Plakaten und Einladungen zur Ausstellung abgedruckt ist, zeigt die Synagoge Genf-Malignou nach dem Brandanschlag im letzten Jahr.
Blick in die Gegenwart
Dazu die Worte des Vizekanzler Oswald Sigg: «Der Davidstern auf deiner Brandruine. Ein Motiv aus dem letzten Jahrhundert. Vor fast genau 70 Jahren wurden in der Reichskristallnacht in Deutschland und Österreich 1676 Synagogen und jüdische Gemeindehäuser abgerannt und sonst wie zerstört. Hier lassen nur die halbwegs verschont gebliebene Fassaden-Architektur und die weissen Schutzhelme der Feuerwehrmänner darauf schliessen, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden. Trotz seiner fast zeitlosen Gestalt deutet auch der Rabbiner auf die Gegenwarthin, denn auf den Bildern der damals zerstörten Synagogen sind keine Menschen zusehen. Dieser Anschlag galt aber der jüdischen Gemeinschaft in Genf und dem Rabbiner. Der Rabbiner ist unversehrt geblieben. Damals kamen in dieser frühen Nacht der Verfolgung 91 Juden ums Leben. Ich habe kürzlich eine neue Geschichte des Nationalsozialismus gelesen. Und ich habe mich zunächst gewundert, dass darin diese Geschichte sich bis in die unmittelbare Gegenwart fortsetzt. Und hier indiesem himmeltraurigen Bild haben wir den Beweis dafür, dass sich der antisemitische Ungeist nach wie vor herumtreibt. Wir stehen da mitten in der Realität der Gegenwart, in welcher die Schatten unserer Geschichte nachwirken.»
Lichtblicke
Weiter fügte Sigg an, dass es aber auch Lichtblicke in dieser Geschichte gebe: Noch vor drei Wochen hat der «Blick» die Flucht von vier jüdischen Asylsuchenden in die Schweiz im Jahr 1942 dokumentiert. Nach einer dramatischen Überquerung des Doubs, bei welcher die Flüchtenden von deutschen Soldaten vom französischen Ufer ausbeschossen wurden, verfügte ausgerechnet der berüchtigte Chef der Eidgenössischen Fremdenpolizei, Heinrich Rothmund, die Internierung der vier Juden in der Schweiz. Er rettete ihnen damit das Leben.
Licht und Schatten.Es braucht diese Aufnahmen und es braucht die Presse, damit wir uns der historischen Dimension solcher Brandstiftungen bewusst werden.
Heinz Roschewski


