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19. September 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 38 Ausgabe: Nr. 38 » September 19, 2008

Eine kleine Erfolgsgeschichte

September 19, 2008
Die jüdische Kinderkrippe Ganon in Basel feiert ihr dreijähriges Bestehen. Die Institution hat sich trotz aller Schwierigkeiten zu Beginn sehr gut etabliert.
<strong>Kinderkrippe Ganon</strong> Die Nachfrage ist gross, und die Kinder scheinen sich wohl zu f&uuml;hlen

Vergessen scheint der wahrlich nicht einfache Start der jüdischen Kinderkrippe, der vor drei Jahren vor allem durch Uneinigkeiten mit dem Israelitischen Kindergarten Marcus Cohn erschwert wurde (vgl. tachles 34/05). Heute ist der Ganon eine Einrichtung, die sich vom Gelände der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) kaum noch wegdenken lässt. Bis zu jeweils 15 Kleinkinder werden im sogenannten Hess-Haus an fünf Vormittagen und an zwei Nachmittagen betreut. An einigen Tagen ist die Krippe ausgebucht, teilweise bestehen sogar Wartelisten. «Die Nachfrage ist sehr gross, und wir sind von der positiven Entwicklung selbst überrascht», so Michael Sobol, einer der Ganon-Gründer. Der Bedarf nach einer verlässlichen Kinderbetreuung ist da, und das Angebot des Hortes wird daher immer weiter ausgebaut.

Koscherer Mittagstisch auch für Geschwister

Der Ganon ist von 7.30 bis 13.30 Uhr sowie zweimal bis 17 Uhr geöffnet, ein koscheres, nicht fleischiges Mittagessen für die Kleinsten und Kleinen wird angeboten. Geschwister, die in den Israelitischen Kindergarten gehen, dürfen den Mittagstisch bei Bedarf ebenfalls besuchen, damit die Eltern mehr Freiräume haben. Neuerdings haben Geschwisterkinder sogar die Gelegenheit, den Ganon zu den Zeiten zu besuchen, in denen der Kindergarten noch nicht geöffnet ist. «Die Geschwister können unsere Öffnungszeiten ebenfalls nutzen und werden hier in der Zeit, bis der Kindergarten öffnet, betreut», so Sobol. Da der Kindergarten sich ebenfalls auf dem IGB-Areal nur einige Meter zu Fuss entfernt befindet, können die Eltern ihre Kinder gemeinsam im Ganon abgeben und mittags wieder holen – und von dem sich ergänzenden Angebot profitieren. Neu ist im Ganon eine vierte Betreuerin zu 20 Prozent angestellt, damit die Möglichkeit besteht, mit den etwas älteren Kindern etwas gesondert zu unternehmen und sie zu fördern. Und die Ganon-Gründer scheinen bereits weitere Pläne zu haben: So denken sie darüber nach, die Ferienbetreuung auszuweiten, um berufstätigen Müttern und Vätern entgegenzukommen – die Nachfrage danach sei, so Sobol, gross.

Alle Schattierungen vertreten

Die Kinder, die den Ganon besuchen, kommen sowohl aus praktizierenden jüdischen Familien wie auch aus liberal eingestellten Familien – auch Kinder aus Mischehen und mit jüdischen Vätern sind willkommen. So entstehen kleine Freundschaften zwischen Kindern, die sonst nicht unbedingt Kontakt miteinander hätten. «Mitglieder der Israelitischen Religionsgesellschaft bringen ihre Kinder ebenso wie säkulare Juden», so Sobol, der betont, dass durch den Ganon auch täglich Erwachsene, die sonst kaum Zugang zur IGB haben, auf das Areal der Gemeinde kommen, und die IGB daher von der Einrichtung profitiere. «Auch Zuzügler betreten teilweise das erste Mal den Boden der IGB, um ihre Kinder zu uns zu bringen», so Sobol. Finanziell ist der Ganon (abgesehen von den Räumlichkeiten, die er nutzt) von der Gemeinde unabhängig, er finanziert sich zu 70 Prozent durch die Beiträge, die unter dem Durchschnitt privater Krippen liegen, und mit Hilfe von Sponsoren. Die Ausübung der Religion spielt im Ganon durchaus eine Rolle. Er wird strikt koscher geführt, und die Kinder lernen Segenssprüche und begehen die Feiertage. Aufgrund der offenbar grossen Nachfrage an einer jüdischen Kinderkrippe in Basel gelangte tachles mit der Frage an Chabad-Rabbiner Zalmen Wishedski, ob er auch plane, eine solche Institution ins Leben zu rufen. Wishedski verneinte die Anfrage und betonte, dass seine Kinder im Ganon sehr glücklich seien. Und wenn er Anfragen bekäme, würde er den Ganon stets weiterempfehlen.

Valerie Doepgen


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