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12. September 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 37 Ausgabe: Nr. 37 » September 12, 2008

Rechtsstreit um ein Markenprodukt

September 12, 2008
Vielleicht treffen sich die Pharmagiganten Teva und Novartis demnächst vor Gericht. Das israelische Unternehmen wirft dem Basler Konzern nämlich vor, strikt geheime Informationen über ein generisches Medikament von ihm gestohlen zu haben.
Teva Pharmaceutical Industries Das Pharmaunternehmen wirft
seinem Konkurrenten Novartis Diebstahl von Handelsgeheimnissen vor

Von Yoram Gabison

Genau 45 Tage nachdem Sandoz, die Tochter des Schweizer Chemiekonzerns Novartis, das Bewilligungsgesuch für ihre generische Version von Copaxone eingereicht hatte, hat die israelische Teva Pharmaceutical Industries Klage gegen die schweizerische Firma erhoben. Grund ist die angebliche Verletzung des Patentschutzes für das von Teva entwickelte Medikament gegen multiple Sklerose durch Novartis.

Copaxone ist das rentabelste Produkt von Teva. Während es sich bei den meisten Medikamenten von Teva um generische Kopien von Markenartikeln handelt, ist Copaxone eines der wenigen originellen Markenprodukte des Konzerns. In seiner Klageschrift beschuldigt Teva Novartis schwer. Das Basler Unternehmen wird unter anderem des Diebstahls von Handelsgeheimnissen bezichtigt. Teva ergeht sich auch in Einzelheiten bezüglich der Art und Weise, wie Novartis nach Meinung der Israeli in den Besitz der Geheimnisse gelangte.

Wertvolle Informationen weitergegeben

Im Jahr 1997 hat Teva nach eigenen Angaben mit der slowenischen Gesellschaft Lek ein Lieferungs- und Verteilabkommen für Copaxone abgeschlossen. Die Firma hatte sich verpflichtet, alle vertraulichen Informationen, die sie von Teva erhalten würde, bis zehn Jahre nach Beendigung des Verteilungsvertrags zu schützen. Der Vertrag war inzwischen ausgelaufen. Effektiv hat Lek aber, wie Teva behauptet, noch während der Laufzeit des Abkommens zahlreiche strikt geheime Informationen über Copaxone weitergegeben. Zu diesen Informationen zählten unter anderem die während des Verfahrens durchgeführten analytischen Tests. Diese Information gilt als «top secret» und höchst wertvoll.

Teva erklärt ferner, bis April 2002 (sieben Monate bevor Sandoz die slowenische Firma aufkaufte) bedeutende Teile seines Interesses an der Vermarktung von Copaxone in Europa an Lek transferiert zu haben. Diese Information enthielt Tausende von Seiten sowie eine detaillierte Spezifikation des Medikaments und eine Herstellungsbeschreibung von Copaxone. Kurz: Lek erhielt genügend Informationen, um eine Kopie von Copaxone zu produzieren. Laut der Klage von Teva soll die Firma diese Unterlagen an Novartis weitergeleitet haben. Eine Reaktion von Novartis liegt nicht vor, der Pressesprecher des Konzerns, Michael Schiendorfer, sagte gegenüber tachles, dass Novartis sich grundsätzlich nicht zu laufenden Verfahren äussere.

Ein komplexes Molekül

Bei Copaxone handelt es sich um ein komplexes Molekül, das nach Angaben von Teva auf einem konsistenten, genau verfolgten Produktions- und Verifikationsprozess basiert. Nur so könne sichergestellt werden, dass das Molekül die erforderliche biologische Aktivität produziert. Copaxone verfügt laut Teva über spezielle Aktivitätsmechanismen und ganz besondere pharmakologische Eigenschaften, welche die Gültigkeit pharmakinetischer Tests ausschliessen. Diese sollen einerseits beweisen, dass ein generisches Medikament über die gleiche molekulare Aktivität verfügt wie das originale Molekül, und dann die biologische Zugänglichkeit der aktiven Substanz im Blut nachweisen.

Die israelische Gesellschaft steht auf dem Standpunkt, dass Copaxone nur sehr schwer zu kopieren ist und dass die Handelsgeheimnisse, die man Lek weitergegeben hat, die Produktion einer generischen Version bedeutend erleichtert hätten. Teva behauptet ausserdem, dass Lek und Novartis regelmässig Informationen austauschen, seit der Basler Konzern die slowenische Firma gekauft hat. Das israelische Unternehmen beharrt allerdings darauf, der Weitergabe der betreffenden Information nie zugestimmt zu haben.





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