Neues koscheres Restaurant
Von Chaim (van Dijk) zu Chaim (Rittri) wechselt die Pacht des Restaurants im Gemeindehaus der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ). «Wir hatten mehrere Bewerber», sagt Samuel Dubno von der ICZ, «aber Rittris Konzept war das überzeugendste.» Der Konkurs der Hadar AG, Betreiberin des alten Restaurants, ist zwar noch nicht restlos erledigt, aber alles sieht bisher dennoch nach einem echten Neubeginn aus. Die ICZ unter neuer Leitung, die von Rittri einen Pachtzins erhält und mit der Zeit bei guten Geschäften auch eine Umsatzbeteiligung erhofft, wird sich künftig auf die Rolle der Verpächterin beschränken.
Für Feinschmecker
Noch vor Ende 2008 soll das offiziell noch namenlose neue Restaurant eröffnet werden. «Wir haben wegen der Geschichte mit der Hadar AG schon so lange warten müssen, bis die leerstehenden Räumlichkeiten wieder mit Leben gefüllt werden», sagt Dubno, «dass es auf einen Tag mehr oder weniger nicht ankommt. Hauptsache ist, dass es in Zürich ein Koscher-Restaurant mit Fleischgerichten geben wird, das selbst jene Leute gerne aufsuchen, die nicht immer koscher essen.»
Wenn Chaim Rittri auch nur die Hälfte seiner Pläne verwirklichen kann, so erwartet die künftigen Gäste in Zürich-Enge ein Gourmet-Restaurant, das nach den Worten des neuen Pächters «in allen Preislagen günstiges, schön angerichtetes und schmackhaftes Essen» servieren will. Bei Books’n Bagels an der Zürcher Waffenplatzstrasse arbeiten er und seine Frau so erfolgreich, dass sie demnächst Filialen in Wien und in Safed eröffnen werden.«Wir möchten zeigen, dass auch koscher so gut gekocht werden kann, dass Feinschmecker auf ihre Kosten kommen», sagt Rittri. «Auch die Einrichtung soll das gleiche Konzept widerspiegeln. Das Restaurant wird angenehm, harmonisch und mit Naturmaterialien eingerichtet sein.» Bis zur Eröffnung wird renoviert und auch umgebaut, so weit dies technisch möglich ist. Ein gepflegter Catering-Service sei geplant, sagt Rittri, aber erst nach einem gelungenen Start des Lokals: «Zuerst wollen wir mit unserem hohen Standard die Gäste überzeugen.» Das Restaurant wird vermutlich auch am Schabbat und an Feiertagen offen sein.
Eine koschere Gourmet-Küche
Der in Malmö, Schweden, geborene und seit 1981 in der Schweiz ansässige neue Pächter weiss, was gut schmeckt, denn der Jurist mit Spezialgebiet Völkerrecht wurde erst als Erwachsener religiös. Obwohl das IRG-Mitglied vielen Grundsätzen des Lubawitscher Rebben nachlebe, gehöre er nicht zur Chabad-Struktur und wolle seine religiösen Überzeugungen auch nicht in das neue Restaurant einbringen, beteuert der 51-Jährige. Auch die ICZ-Leitung geht davon aus. Die religiöse Aufsicht wird Rabbiner Schoul Breisch von der Agudas Achim ausüben.
Ähnlich wie der Pächter wurde auch der designierte Chefkoch Yochanan Lambiase erst spät religiös. «Wir wissen beide, wie nicht koscheres Essen schmeckt und können diese guten Erfahrungen auch in der koscheren Küche umsetzen», sagt Rittri (der nicht kochen kann, aber gerne gut isst). Der 38-Jährige Lambiase, Absolvent des dreijährigen Küchenchef-Kurses der renommierten Westminster Hotel School in London, Mitarbeiter von berühmten Chefs wie Paul Bocuse, Raymond Blanc und Jamie Oliver, hat deswegen in Israel das Jerusalem Culinary Institute für koschere Gourmet-Küche ins Leben gerufen. Nach Auszeichnungen an internationalen Kochwettbewerben möchte er nun auch Zürich erobern und die Küchenbrigade ausbilden und motivieren.
Die Gäste dürfen auch eine schöne Weinkarte erwarten. Die – jüdische – New Yorker Weinspezialistin Harriet Lembeck, 15 Jahre lang Chefin des Weinkellers im legendären Hotel Waldorf Astoria, wird Rittri beim Aufbau eines kleinen, feinen Weinkellers beraten.
Gisela Blau


