Weniger Medaillen als erhofft
Mannschaft Ruder-Silber und ist damit einer von drei Sportlern, die in der zweiten
Woche eine Medaille gewannen
Dank den US-Schwimmerinnen und Schwimmern, die einmal mehr die Mehrzahl der «jüdischen» Medaillen holten, wurden die Olympischen Spiele 2008 nicht zu einer Ernüchterung. Nicht ohne Grund wurde im Vorfeld der Spiele und nach einer sehr ereignisreichen und medaillenträchtigen ersten Olympiawoche ein ähnliches Resultat erwartet. Aber die zweite Woche in Peking verlief für viele jüdische Mitfavoriten enttäuschend.
Ein durchwachsenes Fazit
Nach elf Medaillen in der ersten Woche durch Jason Lezak (drei), Dara Torres (zwei), den anderen Schwimmern Garrett Weber-Gale und Ben Wildman-Tobriner (je ein Staffel-Gold) dem Radprofi Levi Leipheimer, Maximilian Levy im Bahnradfahren und der Fechterin Sada Jacobson gelangte in der zweiten Woche nur noch drei Sportlern der Medaillencoup: Josh West holte sich mit Grossbritanniens Equipe Ruder-Silber in der Königsdisziplin (im Achter), Giselle Kanevsky gewann Bronze mit der Hockey-Frauenmannschaft Argentiniens und Shahar Zubari erlöste Israels noch medaillenlose Olympia-Mannschaft mit seiner Bronzemedaille im Surfen. Im Total sind dies 13 Medaillen, die von jüdischen Sportlerinnen und Sportlern in Peking gewonnen wurden. Neun weniger als vor vier Jahren.
Das israelische Team enttäuscht
Die Gründe für diesen Rückschritt sind nachvollziehbar. Grund Nummer eins: Israels Olympiateam hat in diesem Jahr masslos enttäuscht. Neben Zubari konnte einzig noch Judoka Gal Yekutiel in einer leichten Gewichtsklasse den Erwartungen gerecht werden. Er verlor den Kampf um die Bronzemedaille und verpasste Edelmetall so nur denkbar knapp. Zum Abschluss der Olympischen Spiele in Peking haben die israelischen Frauen noch den respek-tablen sechsten Platz in der rhythmischen Sportgymnastik erreicht. Es war das erste Mal, dass sich eine israelische Mannschaft für ein olympisches Finale qualifizierte. Die Turnerin Irina Risenson wurde immerhin Neunte in der Einzelwertung. Doch damit endet bereits die Liste der Top-Resultate für Israel. Enttäuscht war Weltklasse-Judoka Arik Zeevi (Kategorie bis 100 Kilogramm). Der zweifache Olympia-Medaillengewinner von Sydney 2000 und Athen 2004 war nach seinem Ende in der zweiten Runde untröstlich. Alle anderen Hoffnungsträgerinnen und -träger kamen der ersehnten Medaille nicht einmal nahe.
Ein trauriges Ende einer grossen Karriere erlebte Alexander Averbukh. Der Europameister im Stabhochsprung war zuletzt oft verletzt und formschwach, er konnte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Der 33-Jährige verpasste die Qualifikation für das Finale und kündigte danach seinen Rücktritt vom Profisport an. Mit der Bronzemedaille Zubaris beendete Israel die Olympischen Spiele mit nur einer Bronzemedaille. Insgesamt holte Israel bei Olympischen Spielen bislang einmal Gold, einmal Silber und fünfmal Bronze. Vor vier Jahren kehrten die Athleten mit einer Gold- und einer Bronzemedaille aus Athen zurück.
Keine Weltklasse mehr
Grund Nummer zwei für das etwas schwächere Abschneiden bei den Olympischen Spielen 2008 im Vergleich zu Athen 2004: Viele Topstars von damals sind jetzt entweder nicht mehr dabei, zu alt geworden oder komplett ausser Form geraten. Das Beispiel von Averbukh wurde bereits genannt, aber auch der Kanu-Sprinter Oarsman Kolganov (Bronze 2000 in Sydney für Israel) sei dabei zu nennen. Rücktritte gab es auch von bisher fleissigen Medaillensiegern: Schwimm-Legende Lenny Krayzelburg war 2008 nicht mehr am Start, genauso wie Israels Olympiasieger im Segeln 2004, Gal Friedman. Zudem konnte sich die Weltklasse-Beachvolleyball-Spielerin Adriana Behar aus Brasilien (Silber in Athen 2004) mit ihrer Teamkollegin nicht für Olympia qualifizieren, weil aus der Beachvolley-Hochburg Brasilien nur zwei Duos startberechtigt waren.
Viele Enttäuschungen
Grund Nummer drei für das schwächere Abschneiden sind die Enttäuschungen. So konnten einige der «heissesten Eisen im Feuer» die Erwartungen nicht erfüllen. Das galt neben dem Judoka Zeevi auch für den Kanuten Rami Zur, für die Marathon-Ikone Deena Drossin-Kastor (fiel im Marathon verletzt aus) und auch für die Dressurreiter-Equipe der USA. Ausserdem war es utopisch, daran zu glauben, dass der Sensationssieger von Athen 2004, Nicolas Massu (Chile), erneut zwei Goldmedaillen im Tennis erringen würde.
Grund Nummer vier: In Sportarten wie beispielsweise dem Kunstturnen oder Fussball, bei denen traditionell bei Olympischen Spielen sehr oft starke jüdische Profis am Start sind, waren diesmal keine jüdischen Medaillenanwärterinnen und -anwärter dabei.
Joël Wüthrich


