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29. August 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 35 Ausgabe: Nr. 35 » August 29, 2008

Für Hitler und das Heidentum

August 29, 2008
Seit rund einem Jahr sind in der Region Genf junge Neonazis aktiv. Ende Juli wagten sie den Sprung ins Netz, doch nach einigen Medienberichten verschwindet die Website wieder.

Vergangene Woche meldete die Westschweizer Organisation Coordination Intercommunautaire contre l’Antisémitisme et la Diffamation (CICAD): «Eine neue Schweizer Neonazi-Gruppe» habe eine antisemitische Website lanciert. So neu ist diese Gruppe Nationaux Socialistes Suisses (NSS) allerdings auch wieder nicht. Bereits im September vergangenen Jahres organisierten die NSS einen Gedenkabend für Jan Stuart, den englischen Gründer des internationalen Naziskin-Netzwerkes Blood and Honour. Der Aufmarsch hielt sich anscheinend in Grenzen: Fotos zeigen vier junge Menschen, die hinter einem Grabkranz mit Kerzen stehen und die rechte Hand zum Hitlergruss heben. Die Bilder erschienen in der ersten Nummer der NSS-Schrift «Wotan’s Krieger», von der in der Zwischenzeit zwei Ausgaben publiziert worden sind.

Zutiefst antisemitisch und rassistisch

Die beiden Hefte, die tachles vorliegen, dokumentieren die aussergewöhnlich radikalen nationalsozialistischen Ansichten der Gruppe: die NSS will Judentum, Christentum und Islam aus Europa vertreiben, da das Heidentum die «wahre Religion Europas» sei. Weiter propagieren die NSS-Leute, alle «nichtweissen» Ausländer seien auszuweisen. Die zweite Nummer ist einem «Kameraden Björn» gewidmet, der «ungerechterweise wegen unseren Ideen eingesperrt» sei. Unklar ist noch, warum dieses «wichtige NSS-Mitglied» eine Strafe absitzen muss. Klar ist hingegen, dass die NSS-Mitglieder eine Vorliebe für Waffen haben, ein Videofilm, der im Frühjahr für kurze Zeit auf youtube zugänglich war, zeigt NSS-Leute beim Schiesstraining und beim Posieren mit Gewehren.

Ende Juli stellte die NSS nun ihre bereits Ende vergangenen Jahres angekündigte Homepage ins Netz. Ihre Bewegung sei eine Vereinigung junger Schweizer, Bewunderer des «Grossen Europas, das 1945 in die spitzen Finger der Goldstein und Levys gefallen» sei. Der Text enthält neben rüden antisemitischen Aussagen auch üble muslimische und rassistische Bemerkungen, insbesondere gegen Menschen aus Afrika, diese seien «Parasiten». Der Text endet mit einem Aufruf an «junge Weisse», sich der NSS anzuschliessen und der Ankündigung, sie würden «einen Krieg vorbereiten», gegen diese «Horden hergelaufener Arabo-musulmerdes» und gegen das «internationale Judentum».

Angst vor dem Gesetz

Nach mehreren Medienberichten, ausgelöst durch das CICAD-Comminiqué, nehmen die Westschweizer Neonazis die Site wieder vom Netz. Wieder einmal zeigt es sich, dass Rechtsextremisten dem Druck öffentlicher Beobachtung schnell nachgeben, und dies vor allem dann, wenn sie eine Strafverfolgung wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm fürchten müssen.

Hans Stutz





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