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22. August 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 34 Ausgabe: Nr. 34 » August 22, 2008

«Altes erneuern, Neues heiligen»

August 22, 2008
Seit letztem Sonntag ist Rabbiner Yaron Moshe Nisenholz neuer Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Basel.
Rabbiner Yaron Nisenholz «Ich möchte das Modell
der Einheitsgemeinde weiterentwickeln»

Die Stimmung während der Einführung von Rabbiner Yaron Nisenholz, der bereits vor zwei Jahren mit grosser Mehrheit als Nachfolger von Rabbiner Arie Folger in das Amt des Gemeinderabbiners der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) gewählt worden war, war nicht nur festlich, sondern auch freudig. Es war spürbar, dass der neue Rabbiner kein Unbekannter mehr ist: Tatsächlich lebt Nisenholz mit seiner Frau Ariella und seinen Kindern seit nunmehr sechs Jahren in Basel und war innerhalb der IGB bereits als Lehrer wie als Assistenzrabbiner tätig. Umso bewegender schien der Moment für Yaron Nisenholz zu sein, als er von (dem im Juni gewählten) Gemeindepräsidenten Guy Rueff und dem Präsidenten der Synagogenkommission Philippe Nordmann unter musikalischer Begleitung von Oberkantor Issachar Helman und dem Basler Synagogenchor in die sehr gut besuchte Grosse Synagoge geführt wurde.

Keine Fragezeichen

An der Feier nahmen neben zahlreichen Gemeindemitgliedern jeden Alters auch Vertreter des Basler Grossrats, Präsidenten der jüdischen Gemeinden der Schweiz und Umgebung, der neue Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds Herbert Winter sowie Vertreter der christlichen und muslimischen Gemeinden in Basel teil. Guy Rueff begrüsste in seiner Rede Yaron Nisenholz, von dessen Wärme, Freundlichkeit und Zuvorkommenheit er sich beeindruckt zeigte. Mit dem Satz «Bei Yaron Nisenholz gibt es keine Fragezeichen» sprach Rueff offenbar vielen Gemeindemitgliedern aus der Seele, die sich bewusst für einen Rabbiner entschieden haben, der die Bedürfnisse und Besonderheiten der IGB bereits kennt.

Die richtige Wahl

Nach einem weiteren Stück des Synagogenchors wandte sich der Regierungsratspräsident des Kantons Basel-Stadt Guy Morin in einer Ansprache an Rabbiner Yaron Nisenholz. Morin verwies darauf, dass die Einführung des neuen Gemeinderabbiners ein Ereignis sei, das in der gesamten Nordwestschweiz und über die Grenzen hinaus wahrgenommen würde. Die IGB geniesse höchstes Ansehen in der Region und sei ein fester Bestandteil des religiösen Lebens in Basel. Im Namen des Basler Regierungsrats wünschte dessen Präsident dem neuen Rabbiner eine segensreiche Amtszeit. Er versicherte, dass der Regierungsrat immer ein offenes Ohr für die Belange der IGB habe.

Überraschend hielt auch Rabbiner Yechiel Wasserman, Mitglied im Exekutivrat der Jewish Agency und innerhalb der Weltzionistenorganisation Vorsteher im Bereich für religiöse Angelegenheiten in der Diaspora, eine Rede. Es sei ihm eine grosse Ehre, an der Einführung seines Freundes Yaron Nisenholz teilnehmen zu können, und er bezeugte den anwesenden Gemeindemitgliedern: «Sie haben die richtige Wahl getroffen.»

Das Herz des Basler Judentums

Schliesslich wandte sich Rabbiner Nisenholz sichtlich bewegt persönlich an die Anwesenden. Er bedankte sich für das Vertrauen, das die Gemeinde ihm entgegenbringt. Als er vor sechs Jahren nach Basel kam, habe er hier eine ganz besondere Welt entdeckt, und ihn hätten viele Dinge, die die IGB aus seiner Sicht ausmachen, von Beginn an fasziniert. Zum einen das Modell einer orthodox geführten Einheitsgemeinde, in der «Einheit nicht nur gesprochen, sondern auch gelebt» werde. Nisenholz sprach von einer «IGB-Familie», in der es – wie in jeder anderen Familie auch – Konflikte zu lösen gäbe. Dies sei eine Herausforderung, der er sich gerne stellen möchte. Er wolle das Modell der Einheitsgemeinde weiterentwickeln und allen Juden das Gefühl geben, dass sie willkommen sind.

Nisenholz bezeichnete die IGB als das «Herz des Basler Judentums», und er verglich das jüdische Basel mit einem menschlichen Körper. Jedes Organ sei wichtig, damit der Körper funktioniere – und so habe auch jede jüdische Vereinigung in Basel eine grosse Bedeutung. Das Herzstück aber, das der jüdischen Gemeinschaft die Lebenskraft gebe, sei die IGB.

Eine neue Ära

Ferner zeigte sich Nisenholz beeindruckt von der Rolle, die die Bewahrung der in Europa sonst oftmals zerstörten jüdischen Tradition innerhalb der IGB spiele. Es sei eine grosse Aufgabe, das jüdische Erbe mit den modernen Aspekten des 21. Jahrhunderts zu verbinden, und sein Ziel sei es, innerhalb seiner neuen Funktion «das Alte zu erneuern und das Neue zu heiligen». Er dankte vor allem seiner Frau für ihre Unterstützung und betonte: «Ariella und ich sind für Sie da, unser Haus ist immer offen für alle». Die Worte des neuen Rabbiners, die absolut authentisch wirken, wurden mit grossem Applaus bedacht, und die positive Stimmung unter den zahlreichen Gästen hielt auch beim anschliessenden Empfang im Gemeindehaus an. Es scheint, als würden sich alle Beteiligten auf die neue Ära freuen, die in der IGB nun anbricht.

Valerie Doepgen





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