Traum geplatzt
Von Joel Wüthrich
Jüdische Fussballer haben an Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften Tradition. Aber in Peking 2008 werden wohl keine jüdischen Fussballstars am Start sein. Der letzte, der über die Klinge springen musste bei den letzten Nominationen, war der holländisch-israelische Doppelbürger und zweifache U21-Europameister Daniël de Ridder.
Seine wegen Verletzungen etwas verkorkste Saison 2007/08 bei Birmingham City hat schliesslich den Ausschlag gegeben. Die Form des amtierenden U21-Europameisters war nicht ausreichend, um sich gegenüber Top-Konkurrenten wie Jonathan de Guzman, Evander Sno, Roy Makaay oder seinem Freund aus der U21-Nationalmannschaft Hollands, Ryan Babel durchzusetzen. Da er im offensiven Mittelfeld spielt und man ihn eigentlich auch als Stürmer einsetzen wollte, hatte er da eine grosse Konkurrenz. Zu betonen gilt, dass bei einem olympischen Fussballturnier nur maximal drei Spieler die 23. Altersgrenze überschreiten dürfen und sich die Nationalmannschaften deutlich von denjenigen unterscheiden, die an Europa- und Weltmeisterschaften spielen.
Deshalb rechnete sich Daniël de Ridder, der wohl auch bald sein Debüt in der eigentlichen Nationalmannschaft geben dürfte, trotz einer nicht ideal verlaufenen Saison bei Birmingham City in der englischen Premier League eine Chance für die Olympischen Spiele aus. Zumal er vom Spielertyp her einer ist, den man vielseitig einsetzen und so, wie zum Beispiel Hollands Superstar Arjen Robben, sowohl als offensiven Mittelfeldspieler wie auch als Aussenstürmer verwenden kann.
Trost in der Permier League
Aber dennoch hat er Grund zum Feiern: Er konnte einen lukrativen und guten neuen Vertrag abschliessen. Neu spielt de Ridder (sein Transfer-Marktwert beträgt etwa 2,5 Millionen Euro) jetzt in der kommenden Saison 2008/09 für Wigan Athletics weiterhin in der vielleicht stärksten Liga der Welt und gilt bei seinem neuen Arbeitgeber als Schlüsselspieler.
De Ridder startete seine Karriere in der weltweit bekannten Talentschmiede von Ajax Amsterdam. Mit dem Klub spielte er als junger 20-Jähriger sowohl in der Champions League wie auch im UEFA-Cup. Ein Jahr zuvor schoss er sein erstes Profi-Tor (damals für Tilburg in der Ehrendivision Hollands). Nach der Saison 2005 verabschiedete er sich Richtung Primera Division nach Spanien, wo er bei Celta de Vigo einen Zweijahresvertrag unterschrieb. Die Saison 2006/07 verlief mehr als schlecht für de Ridder und seinen Klub. Am Ende stieg man gar in die zweite Division ab und de Ridder machte von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch, die es ihm erlaubt, Celta bei einem Abstieg ablösefrei zu verlassen. Im Juli 2007 unterzeichnete er einen Vertrag beim englischen Aufsteiger Birmingham und nun ist er bei Wigan Athletics engagiert.
Karriere noch nicht so steil
Daniël de Ridder ist Doppelbürger. Seine Mutter ist Israeli, sein Vater Holländer. Dass er sich, im Gegensatz zu Gai Assulin, dem anderen jüdischen Supertalent des europäischen Fussballs, für die niederländische und nicht für die israelische Nationalmannschaft entschied, ist einfach zu begründen: Ihm wurden sehr früh die Alternativen aufgezeigt, die er als holländischer Nationalspieler hat. Dass er sich «richtig» entschied, beweist sein Palmarès: Mit den U21-Europameister-Titeln 2006 und 2007 kann er stolz hausieren gehen. FC Barcelona-Jungstar Assulin indes hatte auch die Qual der Wahl und hätte sich auch für die spanische und die israelische Auswahl bewerben können. Aber er wählte den direkteren Weg ins internationale Geschäft, indem er dem ersten Aufgebot der «Niwcheret» folgte.
Daniël de Ridders Karriere verlief bisher noch nicht so rund und steil,
wie man vor Jahren hätte annehmen können. Aber er bewies, dass er
ein Kämpfer ist und zudem auch ein Stehaufmännchen. Sein Optimismus
brachte ihm dann endlich den lang ersehnten Erfolg ein, indem er letzten Sommer
mit Holland U21-Europameister wurde. Viel Pech mit Verletzungen und andere Umstände
verhinderten nun eine Olympia-Teilnahme. Aber man kann davon ausgehen, dass
man von diesem Spieler in Zukunft noch einiges hören wird.


