Ein symbolträchtiges Denkmal
Nach einem Fussballstadion, das seinen Namen trägt, erhält Teddy Kollek, der einstige Bürgermeister von Jerusalem, nun auch noch einen Teddy-Park. In Anwesenheit zahlreicher Prominenz aus dem In- und Ausland fand diese Woche die Grundsteinlegung für die Parkanlage statt, deren Standort ausgesprochen symbolisch ist für Kolleks Wirken zum Wohle der israelischen Hauptstadt ist: Der vor allem von den amerikanischen Freunden der Jerusalem Foundation (JF), aber auch mit einigen Kleinspenden aus der Schweiz finanzierte Park, der bis Ende 2009 fertiggestellt sein soll, liegt im Tal zwischen der Altstadtmauer und dem Mamilla-Projekt des Financiers Alfred Akirov, der zugunsten des Teddy-Parks ein Stück Land gespendet hat. Wer in die eine Richtung schaut, sieht den Davidsturm und das Jaffa-Tor am Eingang zur Altstadt, während sich in der anderen Richtung die Luxuswohnungen von Mamilla und das neue Alrov-Einkaufszentrum dem Auge des Betrachters offerieren.
Symbolisch ist der Standort vor allem, weil Teddy Kollek die Jahrzehnte seines
öffentlichen Wirkens in den Dienst der friedlichen Koexistenz zwischen
den jüdischen und arabischen Bewohnern «seiner» Stadt gestellt
hat. Das tat er sowohl als sechs Mal wiedergewählter Bürgermeister
als auch als Gründer und langjähriger Präsident der 1965 entstandenen
JF, die bisher mit Hilfe von Gönnern aus aller Welt rund 4000 Projekte
verwirklichen konnte, deren Botschaft das Zusammenleben über alle religiösen,
ethnischen und politischen Grenzen hinweg ist. «Wir haben uns entschlossen»,
meint Ruth Cheshin von der JF, «den Namen von Teddy Kollek an der Schnittstelle
zwischen dem Westen und Osten der Stadt zu verewigen, einem Ort, der seine lebenslange
Vision symbolisiert: das Zusammenleben der Bewohner Jerusalems, das Miteinander
in Partnerschaft und in gut nachbarlicher Beziehung.»
Ein Mann von Format
Die Dynamik und die visionäre Tätigkeit des 1911 in Budapest geborenen und in Wien aufgewachsenen Kollek kommen in einem kurzen Film über den Mann treffend zum Ausdruck, der zu Beginn der Zeremonie gezeigt wurde. Die Szenen mit Teddy und seine «Zitate auf den Punkt genau» lassen die Betrachter schmerzlich, fast brutal erkennen, wie sehr Menschen vom Kaliber eines Teddy Kollek heute fehlen, sowohl der Stadt Jerusalem als auch dem Staate Israel und seinen Einwohnern. Diesen Gedanken thematisierte auch Amos Kollek, der Sohn des Bürgermeisters, der keinen Hehl aus seiner Traurigkeit darüber machte, dass niemand ideell und schaffensmässig in die Fussstapfen seines Vaters getreten sei. Mit seiner Bemerkung, Ehud Olmert habe das Bürgermeisteramt nur als Sprungsbrett auf den Stuhl des Premierministers aufgefasst, rutschte Amos Kollek für einen Moment in die Tagespolitik ab. Ähnlich machte es auch Bürgermeister Uri Lupoliansky, der in seinen Ausführungen unterstrich, dass die Vereinigung der beiden Teile Jerusalems so lange nicht vollendet sei, wie es sowohl im Ausland wie auch in Israel selber noch Menschen gebe, die diese Vereinigung aus ideologisch-politischen Gründen anfechten würden.
Architekt Uri Shitrit unterstrich in seiner Präsentation, dass neben einem 400 Personen Platz bietenden natürlichen Amphitheater der grosse Brunnen mit einem Umfang von 16 mal 16 Metern das eigentliche Zentrum des Teddy-Parks bilden werde. Alle Wege und Pfade führten letzten Endes zu ihm. Der Brunnen kann auch, so Shitrit, als Bühne, Spielplatz und Tanzfläche dienen – alles Funktionen, welche die verschiedenen Teile der Jerusalemer Bevölkerung einander näher bringen sollen. Zudem enthält der Park Hinweise auf Teddy Kolleks Wirken. «Allerdings nur andeutungsweise», meinte Shitrit, «denn die wahre und volle Geschichte finden wir rund um uns herum in der Stadt.»
Das Andenken ehren
Die Errichtung des Parks kostet über zehn Millionen Dollar, einschliesslich der Durchführung interkultureller Programme für die Jerusalems Bevölkerung sowie der Pflege und Instandhaltung des Parks. In der Projektbeschreibung ruft die JF Freunde Jerusalems, die das Andenken an Teddy Kollek ehren wollen, zur Unterstützung des Projektes auf. Beiträge sollen auf dem Parkgelände auf Gönnertafeln gewürdigt werden.
Die musikalische Umrahmung der Grundsteinlegung besorgte die Sängerin Shuli Nathan, die nach dem Sechstagekrieg von 1967 mit dem Lied «Jerusalem von Gold» Millionen von Menschenin Begeisterung versetzt hatte.
Jacques Ungar


