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20. Juni 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 25 Ausgabe: Nr. 25 » June 20, 2008

Wer sorgt für Israels Sicherheit?

June 20, 2008
Moshe Arens zur Lage in Israel

Wahrscheinlich ist nicht nur Ehud Olmert derart mit seinen juristischen Problemen beschäftigt, dass er nicht genug Zeit findet, um sich mit Israels drängenden Sicherheitsproblemen zu befassen. Viele israelische Bürger, ausgenommen natürlich jene im Süden des Landes, sind ziemlich sicher ebenfalls derart in die Details der laufenden Untersuchungen vertieft, dass sie kaum dazu kommen, sich über das Sorgen zu machen, was wirklich besorgniserregend ist – der anhaltende Krieg im Süden. Man kann nur hoffen, dass die israelischen Verteidigungsstreitkräfte mit ihrem Kommandanten, Generalstabschef Gabi Ashkenazy, an der Spitze die gewaltige Verantwortung ernst nehmen, die auf ihnen lastet: die Gewährleistung der Sicherheit der Einwohner Israels.

Vielleicht sollte unser Generalstabschef an die Worte erinnert werden, die er kurz nach Antritt seines heutigen Postens formuliert hatte: «Im nächsten Krieg wird es keine Zweifel hinsichtlich des Gewinners geben.» Diesen Satz sagte er, nachdem sein Vorgänger Dan Halutz nach dem zweiten Libanon-Krieg erklärt hatte, die IDF-Truppen hätten «nach Punkten» gewonnen, obwohl doch klar war, dass die Armee in jenem Krieg effektiv von ein paar tausend Hizbollah-Kämpfern besiegt worden ist. Halutz wollte das Offensichtliche nicht einsehen: Wenn die grösste und stärkste Armee des Nahen Ostens ein paar tausend Terroristen gegenübersteht, aber nicht imstande ist, die Zivilbevölkerung zu schützen, und das Ringen mit den Terroristen ohne Entscheidung beendet, dann haben die Terroristen den Krieg gewonnen. So schätzen die Terroristen die Lage ein, so tut es die Welt. Und diese Einschätzung ist heute eine Realität. Es war das Unvermögen des früheren Generalstabschefs, dies zu begreifen, das zur Misswirtschaft des zweiten Libanon-Kriegs führte.

Nach der Einwilligung zu einem Waffenstillstand, der es der Hizbollah erlaubte, den Sieg zu verkünden, aufzurüsten und zur dominierenden Macht in Libanon zu werden, hatte Israel eine zweite Chance im Krieg gegen die Terroristen: den Krieg im Süden gegen die Hamas und den Islamischen Jihad, die, wie die Hizbollah im Norden, vom Iran unterstützt werden. Wiederum wurde Israels Zivilbevölkerung von Kurzstreckenraketen angegriffen. Diese Attacken dauern nun schon seit Monaten an und greifen immer tiefer nach Israel hinein.

Wie schon im Libanon-Krieg versuchte die Armee erfolglos, diese Angriffe mit der Luftwaffe zu unterbinden. Genauso aber wie damals wurde auch jetzt wieder klar, dass diese Mission mit Bodentruppen zu erledigen ist. Und da man offenbar nichts aus der Vergangenheit gelernt hat, weigerte sich Israels Regierung, Bodentruppen den Einmarschbefehl in den Gazastreifen zu erteilen. Die Bewohner des Südens zahlen weiter den Preis.

Sollte auch diese Konfrontation in einer Hängepartie enden, indem Israel einem Waffenstillstand mit den Terroristen zustimmt, käme dies einer weiteren Niederlage der Armee gleich. Nicht einem «Sieg nach Punkten», und nicht einmal einem Sieg nach Punkten für die Terroristen, sondern einer Niederlage des Militärs gegen die Terorristen. Einer Niederlage, klar und simpel. So würden alle Beteiligte es sehen. Israel würde als ein Staat dastehen, der unfähig ist, sein Territorium zu verteidigen und die Sicherheit seiner Zivilbevölkerung zu gewährleisten.

Das ist keine kleine Sache. Jenen, die sich wundern, wie Israel imstande war, so viele Jahre in der feindseligen Umgebung des Nahen Ostens zu überleben, sei gesagt, dass Israel eben immer wieder die Feinde besiegen konnte, die sich gegen es erhoben hatten. Der Friedensvertrag mit Ägypten, den Israel letztendlich erzielte, war das direkte Resultat der Siege auf dem Schlachtfeld. Der Frieden mit Jordanien basiert auf der Überzeugung des Königreichs, dass Israel auf dem Schlachtfeld nicht zu besiegen sei.

Sollte man also Israels Fähigkeit zur Selbstverteidigung anzweifeln, würde dies nicht nur jede Chance auf eine Ausweitung des Friedenskreises vereiteln, sondern auch die Wahrscheinlichkeit eines weiteren voll ausgewachsenen Krieges erhöhen. Das steht in der Konfrontation mit den Terroristen im Süden auf dem Spiel. Sie wissen, und wir müssen es erneut lernen, sollten wir es vergessen haben, dass die Lebenserwartung eines Staates im Nahen Osten, der Schwierigkeiten mit seiner Selbstverteidigung bekundet, ziemlich sicher recht kurz ist.

Vor dieser Herausforderung stehen heute die IDF und ihre Kommandanten. Nur ein ausschlaggebender Sieg im Krieg gegen die Terroristen im Süden wird Israels Sicherheit gewährleisten. Ein Waffenstillstand dagegen wird ein Sieg für die Terroristen und eine Niederlage für die IDF sein.

Natürlich ist es die Regierung, sogar in ihrem heutigen Zustand, welche die Entscheidung herbeiführen muss. Doch es liegt am Generalstabschef, der der Regierung sagen muss, dass er fähig ist, einen Sieg zu erzielen, der keinen Zweifel an der Frage offenlassen wird, wer diesen Krieg gewonnen hat.





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