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13. Juni 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 24 Ausgabe: Nr. 24 » June 13, 2008

Wirbel ums beliebte «Grümpelturnier»

June 13, 2008
Das traditionelle Fussball-Grümpelturnier findet dieses Jahr im Rahmen der Veranstaltung euro825 statt (vgl. tachles 23/08). Das Turnier sorgt im Vorfeld, unter anderem wegen Teilnahmegebühren von bis zu 300 Franken, für kritische Stimmen.

Fussball spielende Kinder, gemütliches Zusammensein in der Mittagspause und traditionsreiche Mannschaften, die um den Turniersieg kämpfen. Dieses Bild präsentiert sich jedes Jahr am allseits beliebten Fussballturnier, welches in den letzten Jahren entweder in Basel auf der Schützenmatte oder in Zürich auf der Sportanlage Buchlern stattgefunden hat. Dieses Jahr schien der Plausch aber auszufallen, da es nicht möglich war, in Basel – wo das Turnier stattfinden sollte – während der Fussball-Europameisterschaft einen freien Sportplatz für die entsprechenden Daten zu finden. In die Bresche sprang der von Lionel Blumberg, Präsident des FC Hakoah Zürich, Alexander Grünwald und Patric Berg neu gegründete Verein Sport 825 (vgl. tachles 2/08). Der Verein stellte eine fünftägige Veranstaltung namens euro825 auf die Beine. Das Angebot besteht aus einem Public Viewing für die Halbfinale und das Finale, dem Grümpelturnier und einem Galadiner, das der Finanzierung des Events dient.

300 Franken pro Mannschaft

In den letzten Wochen wich die Freude über das gerettete Turnier und das erstmalige sogenannte «Jewish Viewing» aber der zunehmenden Unzufriedenheit mancher potenzieller Teilnehmer. Denn es wurde bekannt, dass das Startgeld 300 Franken pro Mannschaft beträgt (bei den Bambinos 120 Franken). Im Preis inbegriffen sind je nach Kategorie (ausser bei den Bambinos) acht oder neun Eintrittstickets für das nebenan stattfindende Public Viewing. Die im Vergleich mit anderen Jahren hohen Preise (letztes Jahr kostete die Teilnahme 120 Franken) wurden vorerst damit begründet, dass es sich dieses Jahr nicht um ein gewöhnliches Turnier handle. Die Aktion sei als Ganztages-Event geplant, an dem während des Tages Fussball gespielt und am Abend zusammen das Finale geschaut wird. Daher seien die Public-Viewing-Tickets schon im Preis inbegriffen. Das Zielpublikum wären demnach in erster Linie Spieler, die das Finale am Public Viewing von euro825 verfolgen wollen. Da ein reduzierter Preis für Mannschaften, die nur am Turnier spielen, aber keine Tickets fürs Public Viewing beziehen wollen, nicht vorgesehen ist, schien das Turnier für diese Gruppe in diesem Jahr auf den ersten Blick nicht optimal geeignet.

Von verschiedenen Mannschaften, die praktisch jährlich am Grümpelturnier teilnehmen, war eine ähnliche Reaktion zu vernehmen. Viele Spieler verstanden nicht, warum sie «gezwungen» werden, Tickets für das Public Viewing zu kaufen, wenn sie nur am Turnier mitspielen wollen. Schliesslich gibt es in Zürich so viele Möglichkeiten, das Finale auf einer Grossleinwand zu schauen, wie noch nie. Der Vorwurf lautet zudem, dass die hohe Startgebühr mit den einbegriffenen Eintrittskarten der Sport 825 den Verkauf einer Vielzahl von Tickets sichert und so unter anderem das finanzielle Risiko der Veranstaltung senkt. Dass diese «Quersubventionierung» auch von jenen getragen werden sollte, welche wie jedes Jahr nur am Turnier teilnehmen wollen, stiess vielen «Grümpeli»-Liebhabern sauer auf.

Hohe Mehrkosten

Doch die Unzufriedenheit scheint auf ein Missverständnis zurückzuführen zu sein. Denn laut Blumberg ist zu berücksichtigen, dass die Kosten für die Durchführung des Turniers in diesem Jahr um Einiges höher ausfallen als in den letzten Jahren. So kostet beispielsweise die Miete für die sich in der Stadt befindende Allmend Brunau ein Vielfaches mehr als die Miete für die Buchlern-Anlage. Nicht zuletzt auch, weil das Turnier während der Euro 08 stattfindet. Daher sei es sowieso unumgänglich gewesen, den Turnierpreis ausnahmsweise höher anzusetzen. Die im Preis enthaltenen Public-Viewing-Tickets sind daher nicht der Grund für die hohe Teilnahmegebühr, sie seien vielmehr als Motivation für die Spieler gedacht, nach dem Turnier noch am Public Viewing teilzunehmen. Denn der Erfolg des Viewings hänge auch davon ab, ob eine gute Stimmung auf den zahlreich gefüllten Rängen herrschen wird. Und die Veranstalter sind wohl darauf angewiesen, dass unter den potenziellen Zuschauern die Gruppendynamik aufkommt, das «Jewish Viewing» zu besuchen.

Unterstützung von Maccabi

Bei Maccabi Schweiz bedauert man die hohen Preise, so Sportdirektor Etan Müller. Trotzdem hoffe man auf einen Erfolg des Anlasses. Maccabi unterstützt Sport 825 bei der Organisation des Turniers finanziell und stellt beispielsweise die Medaillen zur Verfügung. Persönlich findet Müller, der mit seiner Familie am Grümeplturnier teilnimmt, die späte Kommunikation wichtiger Punkte bedenklich. «Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn beispielsweise früher bekannt gegeben worden wäre, was das Turnier auf der Allmend in dieser Form für die Mannschaften kosten würde.» Es wäre dann durchaus denkbar gewesen, dass sich das Zielpublikum eher für einen Anlass in einem kleineren Rahmen, beispielsweise wie gewohnt auf der Buchlern, geäussert hätte. «Ich hoffe aber weiterhin sehr, dass der Anlass zum Erfolg wird», betont Müller. Es bleibt für Sport 825 zu hoffen, dass die Missverständnisse in der Kommunikation rasch in den Hintergrund rücken und der Vorfreude auf einen in der Schweiz in dieser Form noch nie durchgeführten Anlass weichen. Denn sollte der Event zum erhofften Erfolg werden, kann sich Sport 825 durchaus vorstellen, in Zukunft öfter solche Anlässe zu organisieren.

Uri Rothschild

Informationen sowie Anmeldungen für Turnier und Public Viewing unter www.euro825.ch oder www.sport825.ch.





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