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13. Juni 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 24 Ausgabe: Nr. 24 » June 13, 2008

Mehr Kandidaten als Plätze

June 13, 2008
Am kommenden Sonntag wird der künftige Vorstand der Israelitischen Gemeinde Basel gewählt. Die fünf neuen Kandidatinnen und Kandidaten berichten gegenüber tachles über ihren Hintergrund und ihre Motivation, sich in der Gemeinde zu engagieren.

Von den elf Kandidatinnen und Kandidaten, die sich zur Wahl in den Vorstand der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) stellen, sind sechs bereits heute im Vorstand vertreten (tachles berichtete). Die weiteren fünf Gemeindemitglieder möchten sich künftig neu aktiv an vorderster Front in der Gemeindearbeit engagieren. Teilweise sind sie schon seit Längerem durch ihr Engagement innerhalb der IGB bekannt. So auch Iris Sobol-Bloch, die zurzeit unter anderem als Präsidentin der Jüdischen Primarschule Leo Adler fungiert. Sie sagt gegenüber tachles: «Durch meine Arbeit für die Jüdische Primarschule Leo Adler und die Mitwirkung in der Synagogenkommission und Gemeindehauskommission habe ich erfahren, dass es sich lohnt und es möglich ist, mit persönlichem Einsatz Änderungen zum Wohl der Gemeinde vorzunehmen. Dies hat mich motiviert, im Vorstand mitzumachen. Dort, wo das Wohl der Gemeinde geplant, besprochen und ausgeführt wird.» Auf Nachfrage, in welcher Kommission sie am liebsten mitwirken würde, sagt sie: «Mein Wunsch wäre die Jugendkommission. Dies sehe ich als neue Herausforderung, nachdem ich nun über Jahre für jüngere Kinder gearbeitet habe, reizt es mich schon sehr, mit den Jugendlichen zusammenzuarbeiten.»

Sarah Mendelowitsch hat sich bereits innerhalb der Zukunftskommission für die künftige Ausrichtung der IGB eingesetzt. Die Neuropsychologin und Psychotherapeutin, die in Israel aufgewachsen ist und seit rund 30 Jahren in Basel lebt, hat den Wunsch, dass die IGB «weiterhin als Einheitsgemeinde existieren kann, und der Vorstand für Facettenreichtum steht». Sie betont, dass Offenheit ihr Anliegen ist. Mendelowitsch gibt sich gesprächsbereit und möchte auf die Ansichten aller Gemeindemitglieder eingehen: «Alle Menschen, egal welcher Ausrichtung, sollen sich in der IGB wohl fühlen», sagt die Mutter von zwei Kindern. Einen besonderen Bezug hat sie zu den Kommissionen Bildung, Bibliothek und Jugend.

Engagement und Dynamik

Jung und dynamisch gibt sich vor allem Refael Colthof, der sich auch zum ersten Mal in den Vorstand wählen lassen möchte. Der 35-Jährige arbeitet in Basel, seine Familie aber lebt in Israel: «Ich bin 20 Tage im Monat beruflich in Basel und möchte meine Freizeit, die ich hier ohne Familie vor Ort reichlich habe, in die Gemeinde investieren.» Colthof ist praktizierend und hat einen starken Bezug zur Gemeinde. «Ich bin fast täglich in der Synagoge und habe mittlerweile viele gute Freunde innerhalb der IGB», betont er. Zu seinen Freunden zählt er auch den künftigen Gemeinderabbiner Yaron Nisenholz, mit dem er sich eine Zusammenarbeit gut vorstellen kann. Zum Abschluss des Gesprächs sagt er, es sei ihm ein grosses Anliegen, Dynamik und Offenheit in den Vorstand zu bringen. Besonders interessiert ihn die Kommission für rituelle Betriebe.

Ein weiterer junger Kandidat ist Adam Herzfeld. Er lebt seit nunmehr fünf Jahren in Basel. Der 25-Jährige absolviert zurzeit den Bachelor in Jus an der Universität Basel. Herzfeld betont gegenüber tachles: «Die IGB ist eine gut funktionierende jüdische Gemeinde und ein integraler Bestandteil meines Lebens. Daher ist es mir wichtig, mich als junge Kraft für das Gemeindeleben einzusetzen.» Er denkt, dass er sich am besten in den Bereichen Kultur, Bildung, Schiurim und der Jugendarbeit einbringen kann.

Joel Weill-Engel war bereits im IGB-Vorstand und hat damals die Synagogenkommission präsidiert. Ferner hat er die Organisation für das 200-Jahr-Jubiläum der IGB verantwortet. «Damals wurde mir die zeitliche Arbeitsbelastung zu gross», sagt der 44-jährige Vater von drei Kindern. Nachdem nun drei Jahre vergangen sind, zeigt sich Weill erneut offen für die Vorstandsarbeit, und er hofft auf Veränderungen: «Guy Rueff hat gesagt, er möchte die IGB ins 21. Jahrhundert führen, und ich würde ihn gerne dabei unterstützen.» Zu den neuen Kandidaten gehört als jüngster auch Adam Herzfeld.

Ziele des neuen Präsidenten

Guy Rueff gilt nach dem Ausscheiden von René Spiegel bereits als neuer gewählter Gemeindepräsident. Auf die Frage nach seinen Zielen sagt er: «Es geht nun vor allem darum, neue Strukturen für eine mittelgrosse Gemeinde zu bilden. Den Übergang zu schaffen von einer Gemeinde, welche alles angeboten hat, zu einer Gemeinde, die kleiner geworden ist – aber dennoch sehr stark ist. Wir sollten versuchen, die Mitte in der Gemeinde etwas breiter zu machen und auf alle Mitglieder einzugehen. So leben zum Beispiel etwa 40 Prozent ältere Menschen in der Gemeinde, auf deren Bedürfnisse es einzugehen gilt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Jugendarbeit, welche vorbildlich aufgebaut wurde und jetzt ihre Früchte trägt. Das Problem der rückläufigen Mitgliederzahlen sieht Rueff eher skeptisch, wenn er sagt: «Dieser Trend ist eine Tatsache und ich zweifle, ob es uns gelingen wird, diese Strömung umzukehren. Wir sollten uns längerfristig darauf einstellen und akzeptieren, die Gemeinde mit etwa 600–1000 Mitgliedern zu führen.» Die bisherige Arbeit des Präsidiums lobt er: «René Spiegel hat zusammen mit den jeweiligen Vorstandsmitgliedern, im Rahmen dessen, was möglich war, hervorragende Arbeit geleistet.» Guy Rueff selbst gibt sich sehr motiviert und freut sich auf eine erfreuliche und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Vorstand, der am kommenden Sonntag gewählt wird.

Valerie Doepgen





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