Dritte Präsidentin in Folge
Vor zehn Jahren war Brigitte Halpern als erste Frau an die Spitze der Jüdischen Gemeinde Bern (JGB) gewählt worden, vor drei Jahren war ihr Anne-Marie Guzman gefolgt. An der Gemeindeversammlung vom Sonntag wurde nun Edith Bino-Weiss ohne Gegenstimme zur neuen JGB-Präsidentin gewählt. Die Mutter zweier erwachsener Töchter hatte der Gemeinde bereits als Sekretärin, Religionslehrerin und zuletzt als Kassierin gedient. Nach ihrer Wahl bezeichnete sie die JGB denn auch als «mein Dorf». Beruflich ist Edith Bino noch bis zu ihrer Pensionierung im Februar 2009 als Generalsekretärin der Wizo Schweiz tätig (vgl. tachles 22/08). Vorstandsmitglied Roger Braunschweig würdigte Kompetenz und Geradlinigkeit der abtretenden Präsidentin Anne-Marie Guzman, welche die JGB «mit Augenmass und Umsicht» geführt habe.
Eine Gratwanderung
In ihrer Abschiedsrede bezeichnete Guzman die Leitung einer Einheitsgemeinde als eine «Gratwanderung, bei der man nicht nach rechts oder links kippen darf». Sofern der Wille, eine Einheit zu bilden, vorhanden sei, stelle die Mannigfaltigkeit jedoch eine Bereicherung dar. Die Versammlung verabschiedete die abtretende Präsidentin mit viel Applaus, ebenso Celia Zwillenberg, welche in den fast acht Jahren als Präsidentin der Kulturkommissionen eine Vielzahl von Aktivitäten initiiert hatte, sowie Emanuel Lissenheim, Präsident der Verwaltungskommission. Neu in den Vorstand gewählt wurden Jacob Guzman und Peter Abelin, die beide bereits vor mehr als 20 Jahren dem Gremium angehört hatten.
«Jein» zum Haus der Religionen
Anne-Marie Guzman orientierte die Gemeindeversammlung über das Verhältnis der JGB zum Projekt «Haus der Religionen – Dialog der Kulturen» in Bern. Seit drei Jahren gehöre die Gemeinde dem Trägerverein an, und sie wolle auch in Zukunft beim interreligiösen Dialog in diesem Rahmen mitmachen. Hingegen sei es nicht zu verantworten, die verlangte verbindliche Unterschrift unter eine Bereitschaftserklärung für eine langfristige finanzielle und personelle Beteiligung am ambitiösen Bauprojekt in Bern-Ausserholligen zu setzen. Mit Baukosten von acht Millionen Franken und jährlichen Betriebskosten von gegen 500?000 Franken gehe es da «um Dimensionen, die für uns nicht realistisch sind». In einer kurzen Diskussion wurde diese Haltung von der Versammlung unterstützt; so sagte auch der frühere SIG-Präsident Rolf Bloch: «Wir können keine Verpflichtungen über unsere Möglichkeiten hinaus eingehen.»


