Immerwährende Leidenschaft
tachles: Frau Lévy, welchen Stellenwert hat die Art Basel für Sie?
Dominique Lévy: Die Art Basel ist für mich wie eine immerwährende Leidenschaft. Unsere Galerie ist schon seit Beginn mit dabei. Die Art ist die Krone aller Kunstmessen, einfach die beste weltweit.
Welchen beruflichen Hintergrund haben Sie?
Ich habe politische Wissenschaften in Paris studiert, zudem habe ich einen Master in Geschichte und Soziologie der Kunst.
Und wieso sind Sie ins Kunstgeschäft eingestiegen?
Ich habe schon früh realisiert, dass ich keine gute Künstlerin wäre. Ich hätte nie etwas qualitativ Gutes kreieren können. Ich habe jahrelang an der Universität junge Künstler getroffen und mit ihnen zusammengearbeitet. Das Beste, was ich tun konnte, war, mich mit Bildern und Künstlern zu umgeben, das habe ich von Anfang an nie in Frage gestellt.
Wie ist es Ihnen gelungen, eine solche Auswahl an berühmten Künstlern zu repräsentieren?
Ich denke, das hängt mit der Leidenschaft meines Geschäftspartners und mir zusammen, gepaart mit der energischen und nachdrücklichen Art, wie wir unsere Arbeit qualitätsbezogen machen. Nach und nach haben wir uns etabliert und als Ausstellungsmacher den Ruf, zu den Besten in Amerika und nun auch weltweit zu gehören. Die Künstler arbeiten sehr gerne mit uns zusammen. Unsere Galerie ist in einem wunderschönen Stadthaus untergebracht und hat von der Atmosphäre her nichts von einer konventionellen Galerie oder einem Museum. Der intime Rahmen lässt unsere Bilder noch majestätischer wirken.
Sind die enormen Preise in mehrstelliger Millionenhöhe für gewisse Bilder eigentlich gerechtfertigt?
Werteinschätzungen sind sehr subjektiv – eine Rolle spielt auch, was der Käufer mit dem Verkäufer vereinbart. Doch ich denke, dass Werke, die 50 Millionen Dollar und mehr kosten, nicht immer mit dem Wert des Kunstobjekts übereinstimmen. Bei kleineren Bildern, die fünf bis acht Millionen kosten, mag es schon eher stimmen.
Gibt es ein Kriterium für gute Kunst?
Natürlich ist das subjektiv. Und trotzdem gibt es einige Kriterien. Steht man vor einem Bild, das Emotionen auslöst, so ist das wie eine Offenbarung. Das Bild spricht für sich selbst. Wenn die Qualität so gut ist, dann kann man das auch objektiv beurteilen. Der Wert des Marktes wird auch durch Angebot und Nachfrage bestimmt.
Welche Rolle spielt zeitgenössische Kunst?
Kunst muss herausfordern und zwangsläufig zur Frage führen, welche Art von schöpferischer Kraft dahintersteckt. Sie zwingt uns nachzudenken. Die zeitgenössische Kunst kann unseren Verstand öffnen und unsere Meinung bilden. Ich verstehe die Kunst auch als ein politisches Instrument, das man sogar mit der Wissenschaft vergleichen kann, wo Experimente stattfinden.
Was fasziniert Sie persönlich an Kunst?
Es ist das tägliche Entdecken von Neuem, das mich immer wieder erstaunt. Es ist faszinierend, mit Kunst zu arbeiten und zu leben.
Die Blase im Kunstmarkt ist trotz aller Voraussagen noch nicht geplatzt.
Wie erklären Sie sich das?
Ich denke, da war gar keine Blase. Mehr und mehr Bilder sind an Museen oder Stiftungen gegangen, weil die Leute realisiert haben, dass nicht mehr so viel Kunst auf dem Markt zu haben ist. Zudem gibt es enorm viele reiche Leute auf der Welt. Sie alle haben angefangen, Kunst zu sammeln, und es ist zu einem wahren Trend geworden, nicht nur bei der Elite, sondern auch bei der Gesellschaft als solcher. Ich glaube hingegen, dass bei der zeitgenössischen Kunst eine Blase existiert. Wir werden sehen, was in den nächsten sechs Monaten passiert.
Wir haben eine weltweite Finanzkrise. Wieso wurde der Kunstmarkt nicht davon betroffen?
Einige Leute haben viel Geld verloren. Menschen, die Geld an der Börse verloren haben, investieren teilweise nun lieber in Kunst. Zudem gibt es Regionen wie Asien und den Fernen Osten, die von dieser Krise nicht betroffen sind.
Wer sind Ihre Kunden?
Sammler, alte und neue, und Museen. Es ist sehr spannend, mit all diesen Leuten zusammenzuarbeiten.
Wie schwierig ist es heute, gute Kunst zu finden?
Es ist sehr schwierig geworden, gute Qualität zu finden. Ich bin diesbezüglich eine Art Sherlock Holmes. Ich studiere viele alte Bücher und bin immer auf der Suche nach speziellen Kunstwerken. Meist finde ich dann auch, was ich suche. Manchmal brauche ich bis zu sechs Jahren. Heute haben wir einen sehr guten Namen und so kommen immer mehr Leute direkt auf uns zu, weil sie wissen, dass sie bei uns professionell und vertraulich behandelt werden.
Unlängst konnten am helllichten Tag aus der Bührle-Stiftung in Zürich fünf Bilder entwendet werden. Wie sichern Sie Ihre Galerie?
Mit dem Üblichen: Einer Alarmanlage, Kameras und Sicherheitsleuten. Ja, dieser Raub war schon eher aussergewöhnlich. Dass so ein Diebstahl in der Schweiz möglich war, scheint beinahe unglaublich. Wenn so etwas dort geschieht, so kann das überall geschehen.
Wie sehen Sie die Zukunft des Kunstmarkts?
Qualität wird immer wichtig sein. Es wird auch immer neue Sammler geben und es braucht preislich eine Anpassung an das, was jetzt sehr spekulativ betrieben wird. Dann können wir auch wieder besser arbeiten. Die Preise sind nur noch gestiegen. Die Leute meinen, die Bäume wachsen in den Himmel, das muss sich unbedingt ändern.
Interview: Regula Rosenthal


