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30. Mai 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 22 Ausgabe: Nr. 22 » May 30, 2008

«Chef Coaches» für gute Manieren

May 30, 2008
Wie Raymond Fein und Dan Wiener die Schweizer im Vorfeld der Euro 08 Gastfreundschaft lehren.
Bitte Lächeln Dan Wiener und Raymond Fein

Wenn die ausländischen Besucher nach der Euro 08 glücklich nach Hause reisen und dort noch lange davon schwärmen, wie freundlich, zuvorkommend, kompetent und kenntnisreich die Schweizer ihnen begegnet seien, von der Kellnerin bis zum Polizisten, dann hat der Charme die EM gewonnen. Solche Komplimente werden die Gastgeber zwei ganz besonderen Trainern zu verdanken haben: Raymond Fein, Jurist, Pianist und ehemaliger Fernsehmoderator, und Dan Wiener, Schauspieler und Kulturvermittler, sind Kommunikationsspezialisten. Im Auftrag von Schweiz Tourismus haben sie jene Leute geistig und emotional fit getrimmt, die am häufigsten und direktesten Kontakt mit den Hunderttausenden ausländischer Gäste haben werden.

Die Fussball-WM 2006 in Deutschland gilt als gelungenes Beispiel dafür, wie der anspruchsvolle Slogan «Zu Gast bei Freunden» vorbildlich umgesetzt werden konnte. «Auf Wunsch von Schweiz Tourismus sollte auch die Schweiz die Chance nützen, der Welt zu zeigen, dass sie an der Euro 08 nicht nur organisatorisch glänzen kann, sondern auch mit Emotionen», sagt Raymond Fein. Trainiert haben Fein und Wiener darum ein paar hundert Trainer aus den relevanten Branchen, von der Hotellerie bis zur Polizei, die wiederum an insgesamt 50 000 Mitarbeitende weitergaben, was sie in mehrstündigen Trainings gelernt hatten. Aber es gab auch direktes Coaching an der Basis – so schulte beispielsweise der Basler Dan Wiener die Basler Polizisten. «Alle, die wir trainierten, machten gerne mit und waren sehr motiviert», sagt Wiener. In Österreich finden übrigens keine solchen Kurse statt.

Eine Begrüssung in der Sprache der Gäste? Die Frage nach den Chagall-Fenstern im Zürcher Fraumünster? Die wichtigsten Spieler der Euro 08? Kein Problem. Diese und andere Grundlagen haben die Kursbesucher von Wiener und Fein gelernt. Hauptarbeit waren zudem das Konzept und die Mitgestaltung eines Handbuches. Die folgenden fünf Themenkreise wurden von den Coaches vorgegeben und sollten möglichst pfiffig und originell umgesetzt werden: Gastgeber; Wissen über die Euro 08 inklusive Fussballregeln; die vier Host Cities; 16 Teams – 16 Kulturen und ihre Fans; Sicherheit und Fairness. Am schwierigsten, so Wiener, sei es gewesen, die vielen Informationen griffig, klar und gleichzeitig unterhaltend zu vermitteln. Fein und Wiener schufen Wettbewerbe und Fragebogen, die bei den Teilnehmern gut ankamen: Sind wir Schweizer weltoffen? Oder sind wir nur geschäftstüchtig?

Die beiden, die von Benedikt Weibel, dem Delegierten des Bundesrates für die Euro 08, gleich zu Beginn des Programms als «Chef-Coaches der Schweiz» angesprochen wurden, trainieren oft Firmen oder Verbände, aber davon dringt nie etwas an die Öffentlichkeit. Jetzt aber vermittelten sie ein Training, das im Gegensatz zu ihrer üblichen Arbeit für die Öffentlichkeit bestimmt ist.

Fussball kennen beide nicht nur vom Fernsehen; Wiener «tschuttet» immer noch gelegentlich mit Freunden. Und sie werden sich die Spiele anschauen; Gratis-Eintrittsbilletts waren für sie allerdings kein Thema.





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