Liebeserklärung an Israel
Basel
Das Programm, dass die Israelitische Gemeinde Basel (IGB) ihren Mitgliedern in diesem Jahr bot, war vielseitig und für jedes Alter ansprechend. So spielten die Kinder auf dem Gemeindeareal und hatten viel Freude an der Mini-Messe, während zahlreiche Menschen zum feierlichen Festgottesdienst in der Synagoge zusammenkamen, um der Gründung Israels zu gedenken und für die Existenz des Landes zu danken. Rabbiner Arie Folger richtete in seiner Ansprache den Blick in die Vergangenheit wie in die Zukunft, für die er sich wünscht, dass «Brücken zwischen den beiden Ufern» geschlagen werden und der traditionelle jüdische Charakter des Staates gestärkt wird. Andere Gemeindemitglieder sicherten sich in dieser Zeit bereits einen Platz im Gemeindesaal, in dem die Feierlichkeiten im Anschluss an den Gottesdienst fortgesetzt wurden.
Gastredner Michel Friedman
Der Andrang war so gross, dass zahlreiche Besucherinnen und Besucher die von vielen erwartete Rede von Michel Friedman, der anlässlich der Jom-Haazmaut-Feier von der IGB als Redner eingeladen worden war, stehend oder an der Tür gedrängt verfolgen mussten. Gemeindepräsident René Spiegel begrüsste Friedman und meinte, er hätte aufgrund des grossen Interesses wohl doch lieber das FCB-Stadium mieten sollen.
Friedman hielt frei und sehr bewegt seine «Liebeserklärung», die er mit den Worten: «Schalom und Masel Tow!» begann. Er sprach von einem «wunderbaren Tag» und wies darauf hin, dass die Gründung des Staates Israel nicht nur ein Wunder, sondern auch das Ergebnis von Millionen Juden sei, die an dieses Land glauben und sich für Israel engagieren. Friedman sagte: «Ich liebe und bewundere dieses Land», dessen Erfolgsgeschichte an ein Wunder grenze. So habe sich der Bevölkerungsanteil innerhalb der letzten 60 Jahre verzehnfacht, jährlich verzeichne Israel, das Land, in dem Menschen aus 90 Nationen leben, ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent. Er betonte, dass er glücklich darüber sei, das Israel als selbstbewusste Demokratie auf eigenen Füssen stehen könne und fügte hinzu: «Israel ist mein Rückrat, meine Seele und mein Mut.» Friedman wies darauf hin, dass er selbst sein eigenes Leben in der Diaspora nur aufgrund der Existenz von Israel geniessen könne, und er unterliess es nicht, die Schweizer Iran-Politik zu kritisieren. Viele europäische Länder hätten noch nicht begriffen, dass Iran nicht nur eine Gefahr für Israel, sondern für die gesamte westliche Welt darstelle. Seiner Meinung nach aber werde der «zutiefst humanistische Staat Israel weiter existieren, da es ein Land ist, das an den Menschen, an Bildung, an Erziehung und an die Kinder glaubt». Und die zahlreich erschienenen Kinder und Jungendlichen waren es auch, an die Friedman seine Abschlussworte richtete, in denen er ihnen mit auf den Weg gab, stolz auf ihr Judentum zu sein und sich frei von Angst für die jüdische Tradition und für den jüdischen Staat einzusetzen.
Beeindruckendes Jugendprogramm
Im Anschluss an die Rede, die mit grossem Applaus bedacht wurde und offenbar vielen Anwesenden aus der Seele sprach, folgte ein sehr vielseitiges und vor allem kreatives Programm der jüngeren Gemeindemitglieder. Unter der Organisation des Jugendleiters Zvi Bebera und unter der Beteiligung aller Mitglieder des Bne Akiwa und der Emuna-Madrichim wurden Filme gezeigt und ein beeindruckendes musikalisches Programm dargeboten. Unter der musikalischen Leitung von Yael Battegay präsentierten Jessica Guttmann (Gesang), Amichai Guterman (Gesang), Jeremy Weill (Gitarre), Doron Bollag (Schlagzeug), Raphael Battegay (Saxophon), Anna Battegay (Geige) und Yuval Riegler (Technik) ein Konzert, das sich neben Roman Kuperschmidt und Klezmerband aus Frankfurt a. M. sehen und hören lassen konnte. Für die Filme verantwortlich zeichneten Zvi Bebera (Idee und Schnitt), Daniel Wernli (Kamera), Amos Bachmann (Moderation) sowie Ilan Olstein und Jonatan Kakon. Bebera sprach gegenüber tachles auch seinen besonderen Dank an Marie-Louise Rütti von der IGB aus, die die Jungendlichen in ihrem Wirken unterstützt habe. Dass diese selbst Freude an ihren Darbietungen hatten, war ebenso zu spüren wie die freudige und positive Stimmung der Besucher – sei es im Gemeindesaal oder auf dem ebenfalls bis spät am Abend gut besuchten Gemeindeareal, auf dem diskutiert, gefeiert und Falafel gegessen wurde. Die Kleinsten, an die sich auch Friedman gewandt hatte, kamen auch noch zu Wort – und zwar in einem Film, in dem sie das Land Israel aus ihrer Sicht schildern sollten. Das der jüdische Staat bei den Vier- bis Sechsjährigen ausschliesslich positive Assoziationen hervorruft, wurde aus ihren Kommentaren deutlich, die von «Orangenbäumen», «Sonnencreme und Strand», «Davidstern» oder einfach nur «es ist sehr schön dort» reichten und von einem kleinen Jungen auf den Punkt gebracht wurden, der sagte: «Es gibt einen Himmel dort.»
Valerie Doepgen


