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8. Mai 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 19 Ausgabe: Nr. 19 » May 8, 2008

Neuanfang im Gemeindebund

May 8, 2008
Die neue Geschäftsleitung unter Herbert Winter soll einen Neuanfang im Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund markieren.
Die neue SIG-Geschäftsleitung Gabrielle Rosenstein, Daniel
A. Rothschild, Herbert Winter, Sabine Simkhovitch-Dreyfus, Rolf Halonbrenner,
Evelyne Morali (v.l.n.r.)

Mit seiner Antrittsansprache markierte Herbert Winter nach seiner Wahl auch souverän die Programmatik seiner Amtszeit: kurz, prägnant auf den Punkt gebracht und integrativ. Als Erstes wandte sich Winter auf Französisch an die Delegierten der Romandie und mochte so der Kritik der letzten Jahre begegnen, dass die Westschweiz von der alten Geschäftsleitung (GL) vernachlässigt worden sei. Daraufhin gratulierte Winter Israel zum bevorstehenden 60. Jubiläum, das – wie Winter kritisierte – während der ganzen Delegiertenversammlung (DV) nicht zu Sprache kam.

Kritik an der Aussenministerin

Voran gegangen war eine langwierige und bisweilen ermüdende Versammlung. Traditionsgemäss referierten die GL-Mitglieder über ihre Ressorts. Für Diskussionen sorgte eine Resolution zur Haltung Micheline Calmy-Reys, die im Wortlaut bis heute nicht vorliegt, in einem Communiqué aber so wiedergegeben wurde: «Die Delegiertenversammlung des SIG verurteilte einstimmig und in aller Deutlichkeit den Besuch der Bundesrätin Micheline Calmy-Rey in Iran. Indem sie den Präsidenten des Iran persönlich getroffen hat, hat sie ihm eine unverhoffte moralische und politische Unterstützung gewährt. Es ist dieser Präsident, der zu wiederholten Malen zur Zerstörung des Staates Israel aufgerufen hat. Es ist dieser Präsident, der eine Konferenz der Holocaust-Leugner in Teheran einberufen hat, die die Existenz der Gaskammern im ‹Dritten Reich› abstreiten. Im Weiteren ist es den Delegierten als Schweizer Bürgern unverständlich, dass die Schweiz als einziger Staat Westeuropas eine Resolution im Uno-Menschenrechtsrat unterstützt hat, die in einseitiger Weise Israel der Verletzung von Menschenrechten bezichtigt. Durch diese Handlungsweise hat Frau Bundesrätin Micheline Calmy-Rey die Neutralitätspolitik der Schweiz verletzt.»

René Spiegel, Präsident der Israelitischen Gemeinde Basel, forderte im Vorfeld der Abstimmung zur Einbürgerungsinitiative die jüdischen Gemeindemitglieder auf, an die Urne zu gehen. Die Versammlung beschloss darüber hinaus eine Statutenrevision mit Blick auf den Verkauf von Berges du Léman, die eine in Zürich erreichte Steuerbefreiung nötig machte.

Alfred Donath verabschiedete in Abwesenheit den ehemaligen Generalsekretär Dennis Rhein, der sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste. Rhein zeichnete in seiner Amtszeit unter anderem für die Lancierung des Kooperationsabkommen mit den Liberalen Gemeinden verantwortlich, ferner organisierte er die Verwaltung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) um. Er konnte allerdings weder sein politisches Gespür in der GL wirklich einbringen noch sich als Generalsekretär entfalten.

Abschied und Neubeginn

Kritisch setzte sich Arthur Cohn, Präsident der Geschäftsprüfungskommission, mit der Leistung der GL auseinander. Seine Rede, die vor allem Unterlassungen im Bereich Abwehr und Aufklärung anführte, fasste er so zusammen: «Die Arbeit des Centralcomités (CC) sollte unbedingt gewürdigt und sogar aufgewertet werden; Abwehr und Aufklärung müssen neue Impulse gegeben werden, und der Status des SIG-Präsidenten sollte gestärkt werden.» Donath selbst inforimerte die DV über eine von ihm lancierte, informelle Gesprächsgruppe, in der prominente Schweizer Jüdinnen und Juden Konzepte für die Zukunft des Dachverbands erörterten. Inhaltlich wollte Donath darauf aber im Detail nicht eingehen. In seiner Abschlussansprache würdigte Alfred Donath die einzelnen Ressortleiter in der GL und kritisierte heftig, dass die Delegiertenversammlung etwa das von Ron Epstein verfasste und von Gabrielle Rosenstein verantwortete Buch über Synagogen in der Schweiz sozusagen ignorierte. Mit warmherzigen Worten verabschiedete sich Donath und erhielt Standing Ovations und langen Applaus für seine Leistungen als SIG-Präsident.

In die neue Geschäftsleitung gewählt wurde Evelyne Morali. Für eine neue Amtsperiode wieder gewählt wurden Rolf Halonbrenner, Gabrielle Rosenstein, Daniel A. Rothschild und Sabine Simkhovitch-Dreyfus. Josef Bollag und Doris Krauthammer schieden aus der Geschäftsleitung aus. Damit blieb ein Platz in der neuen GL unbesetzt. Diese wird sich in den nächsten Tagen konstituieren. Im CC wurden die zurücktretenden Harry Berg, Roger Dreyfus Walter Gut, Simon Lauer und Nicolas Zucker durch André Bollag, Nadja Gut und Roger Rosenbaum ersetzt.

Yves Kugelmann





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