Die intellektuellen Ressourcen fördern
Von Dina Kraft
Dean Kamen, der für die Erfindung des Segway Personal Transporter bekannte
Multimillionär, brachte bei einem Israel-Besuch die folgende Botschaft
für die Teenager des Landes mit: Mit einer Karriere in wissenschaftlichen
Fächern können sie zu den Rockstars ihrer Generation werden. Auf Einladung
von Staatspräsident Shimon Peres machte Kamen eine Pause in seiner Erfinderarbeit
– zu seinen Schöpfungen zählt unter anderem ein Robot-Arm für
in Irak
verletzte US-Kriegsveteranen – und brachte seinen international bekannten
Robotik-Wettbewerb für Hochschulstudenten nach Israel. Beim Finale in einem
Tel Aviver Stadion dröhnte Rockmusik durch die Lautsprecher, während
ein «Nummerngirl» auf Rollschuhen die konkurrierenden Teams vorstellte.
Die von den Teilnehmern selbst angefertigten Roboter flitzten über den
Boden und kämpften gegeneinander; Ziel war es, einen riesigen Ball möglichst
oft über eine Brücke zu transportieren.
Keine Grenzen
Kamen beschrieb sein Credo wie folgt: «Ob es sich um ein Mittel gegen eine Krankheit handelt, um den Bau von Maschinen oder um das Reinigen von Wasser – es gibt keine Grenzen für die riesige Zahl von Chancen, die auf Jugendliche warten, die an ihrer Karriere arbeiten und gleichzeitig die Welt zu einem vernünftigeren, lebenswerteren Platz machen wollen.» Die Kinder müssten aber, so fuhr er fort, in einem immer jüngeren Alter ihre Talente entwickeln sowie den Willen, Lösungen für Probleme zu finden. «Sie brauchen neben Britney Spears, Paris Hilton und Shaquille O’Neal noch andere Mentoren.» Kamen hofft, Teenager mit Hilfe von Robotik-Wettbewerben für die Wissenschaft zu begeistern. Dabei bedient er sich einer von ihm gegründeten Organisation namens FIRST – For Inspiration and Recognition of Science and Technology. Laut Kamen haben bisher 250000 Schüler in den USA, Kanada, Brasilien und Israel an sei-nen Veranstaltungen teilgenommen. Die Kandidaten bereiten sich jeweils sechs Wochen zusammen mit einem Mentor (einem Ingenieur) auf den Wettbewerb vor.
Für Kamen, der selbst jüdisch ist, ist es etwas Besonderes, seine Arbeit nach Israel zu bringen. Über Israel hörte er als Kind vor allem von seiner Grossmutter, einer überzeugten Zionistin. «Sie war ein Israel-Fan», meint er lachend. – In der Öffentlichkeit ist Kamen vielleicht vor allem wegen des Segway bekannt, doch die meisten seiner Erfindungen sind biomedizinische Apparate. An der Universität baute er die erste tragbare Infusionspumpe zur Verabreichung von Medikamenten. Dieser Apparat gestattet es Patienten, sich medizinisch zu versorgen, ohne immer hospitalisiert werden zu müssen. Mit seiner Firma DEKA Research and Development hat Kamen inzwischen Dutzende weiterer Erfindungen auf den Markt gebracht; unter anderem eine portable Dialyse-Maschine. Momentan arbeitet er an einem Wasserreinigungs-Apparat für Entwicklungsländer.
Gezielte Förderung
In Israel forderte er das winzige, finanziell nicht auf Rosen gebettete Land auf, seine intellektuellen Ressourcen gezielt zu fördern. «Israel muss ein Platz werden, der Werte schafft, die auf intellektuellen Erfolgen basieren und nicht auf physischen Ressourcen. Effektiv ist das Land durch Technologie zu einem Garten geworden, doch jetzt muss es alles daran setzen, um in der Welt der Technologie an der Spitze zu bleiben, denn eine Alternative gibt es nicht.» – Im israelischen Robotik-Wettbewerb schnitten sechs Teams so gut ab, dass sie sich für den internationalen Final in Atlanta qualifizieren konnten.
Er sei durch die Geschichte von David und Goliath inspiriert worden, meinte Kamen zum Abschluss, und zwar nicht in erster Linie weil der Kleine den Grossen besiegen konnte, sondern weil Davids Erfolg auf Technologie beruhte.


