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18. April 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 16 Ausgabe: Nr. 16 » April 18, 2008

Pessach im Weltall

April 18, 2008
Während Juden in aller Welt sich auf Pessach vorbereiten, das Fest der Freiheit, erlebt ein Abenteurer die Emanzipation auf eine ganz konkrete Weise. In seiner internationalen Raumfahrtstation hat NASA-Astronaut Garrett Reisman die Grenzen der Schwerkraft durchbrochen und wird erst wieder in rund zwei Monaten auf die Erde zurückkehren.
Auf Mission Astronaut Garrett Reiman (hinten links im Bild)
verbringt Pessach im Weltall

Der 40-jährige Garrett Reisman, ein Ingenieur aus Parsippany, New Jersey hält sich als erster jüdischer Astronaut auf dem Raumfahrts-Aussenposten Endeavour auf, einem multinationalen Komplex, der seit zehn Jahren im Bau ist. Die Gewichtslosigkeit erfordert von ihm besondere Anpassungen. Der Genuss von Mazzot etwa kommt nicht in Frage, würden die Krümel doch ein unlösbares Problem darstellen.

Israelische Unabhängigkeitserklärung im Gepäck

«Ich habe ehrlich gesagt nicht viel darüber nachgedacht», meinte Reisman kurz vor dem Start ins All am 11. März, als er gefragt wurde, wie er sich denn Pessach im Weltraum vorstellte. Einige Zeit hingegen widmete er der Frage, wie er das Andenken Ilan Ramons ehren könnte, des ersten israelischen Astronauten, der 2003 bei der Katastrophe des Columbia-Raumschiffs ums Leben kam. Nach der Tragödie stellte man Reisman vor die Wahl, bei den Untersuchungen mitzuwirken oder der Familie Ramon emotionale Unterstützung zu gewähren. Er entschied sich für die zweite Möglichkeit. «Das Ganze war so unbeschreiblich tragisch», erzählte er anlässlich eines Besuchs in Israel. «Ilan hatte einen herrlichen Sinn für Humor und arbeitete sehr hart dafür, nicht nur Israel, sondern jeden Juden auf der Welt mit seinem Raumflug zu repräsentieren.» Als er selber für eine Reise ins All auserkoren wurde, fragte Reisman Ramons Witwe Rona, ob es irgendetwas gebe, das sie ihm gerne in den Weltraum mitgeben wollte. «Ilan nahm eine Kopie der israelischen Unabhängigkeitserklärung mit sich», erklärte Reisman. «Es gibt einen Videofilm, der zeigt, wie er in der Raumkapsel mit der Rolle spielt. Rona gab mir eine andere Kopie der Deklaration mit, damit ich die gleiche Erfahrung machen könne. Nach meiner Rückkehr auf die Erde werde ich ihr die Kopie wieder zurückgeben.»

Religion als Halt im Universum

Zusätzlich zur israelischen Unabhängigkeitserklärung nahm Reisman auch das von Präsident Shimon Peres signierte Symbol des Staates Israel mit, eine von einem buddhistischen Priester gesegnete Halskette und einen Rosenkranz. «Ich habe mehr oder weniger alle meine wesentlichen Religionen abgedeckt», meinte er scherzend vor dem Abflug. Das Pessachfest wird Reisman darauf verwenden, zwei neue Kollegen im Raum kennenzulernen, die beiden Russen Sergey Volkov und Oleg Kononenko. Die beiden Kosmonauten werden Stationskommandantin Peggy Whitson und Flugingenieur Yuri Malenchenko ersetzen, die die Raumstation am 19. April, der ersten Pessachnacht, verlassen werden. Reismans Russisch ist übrigens besser als sein Hebräisch. Die Russischkenntnisse hatte er sich während der Ausbildung mit Kosmonauten angeeignet, die er ohne Übersetzer absolvierte. Auch das anschliessende Examen in Russisch bestand er ordentlich.

Bald schon wird die Raumstation eine noch dauerhaftere jüdische Markierung haben: Reismans Ersatz, der ebenfalls jüdische Astronaut Gregory Chamitoff, wird zwei Mesusot mit sich bringen.

Irene Klotz





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