Im Notfall an Ort und Stelle
Menschenleben
Eine der vielen Erste-Hilfe-Gruppen, die in Israel neben Magen David Adom (MDA) existieren, ist Ichud Hatzalah, die vereinigte Hatzalah-(Rettungs-)Organisation. Ihre Spezialität besteht darin, dass sie landesweit über rund 100 leichte, schnelle Motorräder verfügt, deren Vorteil es ist, dass sie oft rascher als die Ambulanz an den Ort des Unfalls beziehungsweise des Anschlags gelangen und so dem Verletzten wertvolle Erste Hilfe leisten können. Die Hatzalah-Fahrer erhalten ihren Einsatzbefehl von MDA, mit dem reibungslos und ohne Konkurrenzmotiv zusammengearbeitet wird. «Unsere Beweglichkeit ist vor allem dann wichtig, wenn es bei der Rettung von Menschenleben um jede Sekunde geht», sagt Hatzalah-Sprecher Yerach Tucker zu tachles. Nicht selten benutzen die Volontäre ihre Privatwagen für einen Einsatz.
100000 Notfallmeldungen pro Jahr
1200 Freiwillige halten den Dienst bei Hatzalah landesweit rund um die Uhr aufrecht. Neben vier bezahlten Angestellten, die den Betrieb administrativ in Schuss halten, sind alle anderen Mitarbeiter ausnahmslos Volontäre. Im Gegensatz zu MDA, der mit Vorliebe Schülerinnen, Schüler und Studierende als Freiwillige beschäftigt, liegt das Durchschnittsalter der Hatzalah-Volontäre bei 43 Jahren. «Wer einmal bei uns eingestiegen ist», meint Tucker, «der hält uns sein ganzes Leben lang die Treue.» Die ältesten Volontäre seien 78 Jahre alt. Pro Tag erhält Hatzalah alleine in Jerusalem von MDA rund 100 Notfallmeldungen, landesweit sind es 300. Das macht übers Jahr nicht weniger als 100000 Notfallmeldungen, die grösstenteils in einen Einsatz münden. In den Anfangszeiten kamen die Volontäre der Hatzalah ausnahmslos aus der charedischen (ultrareligiösen) Welt, doch heute machen nicht nur Säkulare und Frauen bei der Organisation mit, sondern auch Araber. Allein in Ost-jerusalem sind es 30 Leute, die im arabisch-palästinensischen Raum Erste Hilfe leisten. Zwar haben sie aus offensichtlichen Gründen eine eigene Uniform, doch finanziell-organisatorisch gehören sie zu Hatzalah. Trotz der personellen Vielschichtigkeit beraten sich die Leiter von Hatzalah in halachisch (religionsgesetzlich) kniffligen Fragen immer mit Rabbinern. Im Vordergrund steht aber die professionelle Optimierung, weshalb die Volontäre regelmässig Seminare besuchen und Einsatzmanöver absolvieren.
Hatzalah basiert finanziell ausschliesslich auf Spenden, die grösstenteils aus dem Ausland kommen. In den USA ist die Freundschaftsliga Israelife tätig, in Grossbritannien eine ähnliche Organisation. Das laufende Budget von Hatzalah beträgt drei Millionen Dollar pro Jahr. Wer beispielsweise ein Motorrad spendet, dessen Name wird auf einer Würdigungstafel auf dem Fahrzeug verewigt. Interessenten können sich auf einem Newsletter (www.unitedhatzalah.org ) über die Aktivitäten und Neuigkeiten der Organisation informieren.
Modernste Technik dank Spenden
Hatzalah ist sehr darauf bedacht, die Ausrüstung auf dem modernsten Stand zu halten. So konnte dank einer Sonderspende im Jahr 2007 medizinische Ausrüstung für eine Million Dollar gekauft werden, und derzeit arbeitet man an der Einführung eines Global-Positioning-Systems (GPS), mit dessen Hilfe der Standort der verschiedenen Volontäre sich genau bestimmen lässt, was eine zeitliche und kostenmässige Einsatzoptimierung erlaubt. Die 1,5 Millionen Dollar, die die Einführung dieses GPS-Systems verschlingt, kommen ebenfalls von einer das Jahresbudget nicht belastenden Spezialspende. Potenzielle Spender, die die Verwendung ihrer Gelder konkret verfolgen möchten, können sich am Programm Adopt a Volonteer («Adoptieren Sie einen Freiwilligen») beteiligen, in dessen Rahmen es möglich ist, die Kosten eines Freiwilligen während einer bestimmten Zeitspanne zu tragen.
Jacques Ungar


