Verbale Propaganda und sprachliche Feinheiten
gibt sich die Nachrichtenagentur Ma’an moderater, als sie tatsächlich
ist
Ma’an, eine palästinensische Nachrichtenagentur, die von den Regierungen der Niederlande und Dänemarks finanziell unterstützt wird, verherrlicht in ihren Publikationen Terroristen und benutzt verbreitet Hassbotschaften. Das enthüllen Itamar Marcus und Barbara Crook von Palestinian Media Watch (PMW)* in einem dieser Tage verbreiteten Bulletin. Das sei umso paradoxer, liest man in dem Bulletin, weil Ma’an auf ihrer Website von sich behauptet, «objektiv, genau und ausgewogen» zu sein und die «palästinensische Medien-Glaubwürdigkeit» zu erhöhen.
Unkritische Glorifizierung
Eine detaillierte Untersuchung der von der Agentur verbreiteten Texte lässt tatsächlich eine unkritische Glorifizierung palästinensischer Mörder erkennen. Das gilt sowohl für den Terroristen, der unlängst in einer Jerusalemer Jeschiwa (Talmud-Hochschule) acht Schüler kaltblütig erschoss, als auch für den Selbstmörder von Dimona und andere Fälle palästinensischer Gewaltakte. Dabei macht Ma’an konsequent einen Unterschied zwischen den arabischen und den englischen Texten, die in alle Welt verschickt werden. Während etwa der englische Text im Zusammenhang mit einem Feuerwechsel bei Heb-ron neutral berichtet, «zwei Israeli und zwei Palästinenser» seien bei dem Zwischenfall ums Leben gekommen, liest man in der arabischen Version, zwei der Aktivisten seien als «Shaheed» – als Märtyrer für Allah – gestorben. Gemäss der gängigen palästinensischen Interpretation des Islam gibt es für einen Muslim keinen höheren zu erstrebenden Status als denjenigen eines Shaheed. «Indem terroristische Mörder als Shaheed definiert werden», schreibt PMW in seinem Bulletin, «lässt Ma’an seinen Lesern eine klare, direkte Botschaft zukommen, die Mörder seien zu verehren und die Morde gutzuheissen.»
In Bezug auf Selbstmordattentäter geht Ma’an sogar noch weiter. Laut den islamischen Grundsätzen ist eine Person, die vorsätzlich «shahada» anstrebt, den Tod für Allah, grösser als jemand, der dieses Ziel erreicht, ohne aktiv den Tod gesucht zu haben. Der arabische Begriff «istishhadi» – «Shahada» -Sucher – wird laut PMW von Terrororganisationen benutzt, um Selbstmordattentäter zu definieren und sie mit einem höheren Ehrenstatus auszustatten. Die perfide Praxis der Agentur lässt sich auch hier am besten durch einen Vergleich der englischen und der arabischen Versionen der Nachrichtensendungen darstellen. Als sich vor einigen Monaten zwei palästinensische Terroristen in der israelischen Ortschaft Dimona in die Luft sprengten und dabei eine Frau ermordeten und ihren Mann schwer verletzten, hiess in den englischen Nachrichten von Ma’an unter anderem: «Abu al-Walid betonte, dass es sich bei den Bombern und Luay al-Ghawani und Mousa Arafat handelte.» Israelische Sicherheitskreise äusserten Zweifel an der Richtigkeit des Bildes des zweiten Bombers. Die arabischen Nachrichten der Agentur dagegen sprachen davon, dass Abu al-Walid, eine «hohe militärische Figur der Al-Aqsa-Brigaden im Gazastreifen, die israelischen Zweifel an der Identität der beiden ‹Shahada›-Sucher zerstreute, welche die Aktion von Dimona verübt hatten».
Perfide sprachliche Unterschiede
Die Nachrichtenagentur verwendet auch eine sehr politisierte aggressive Sprache, um Israel regelmässig das Existenzrecht streitig zu machen und sogar die Existenz des Staates Israel zu negieren. Als Ma’an beispielsweise von israelisch-arabische Ärzten berichtete, die Ende Februar Gaza einen Besuch abstatteten, definierte die Agentur sie in ihrem arabischen Text als «palästinensische Ärzte aus dem des ‹besetzten Palästinas›». Für ein Mal lautete auch der englische Text ähnlich, war doch von «palästinensischen Ärzten aus den 1948er Gebieten» (eine weitere Umschreibung für Israel) die Rede. Regelmässig findet sich auch die Differenzierung zwischen «israelischen Streitkräften» (englische Version) und «Besatzungstruppen» (arabische Version) statt.
Die Gründe für diese immer wieder anzutreffenden sprachlichen Unterschiede liegen auf der Hand. Man darf doch annehmen, dass die Regierungen der Niederlande und Dänemarks die Finanzen für Ma’an streichen würden, dürften sie die Tatsache doch kaum schlucken, dass sie einen Journalismus unterstützen, der den Terror glorifiziert und den Hass schürt. Oder etwa doch?
Jacques Ungar
*Itamar Marcus und Barbara Crook sind die Leiter von Palestinian Media Watch, einer in Jerusalem domizilierten Organisation, welche Veröffentlichungen in den gedruckten und elektronischen Medien der palästinensischen Gebiete verfolgen.

