Viel Vorfreude auf das neue Zentrum
Nachdem Rabbiner Mendel Rosenfeld vor 26 Jahren in Zürich ein Chabad-Zentrum gegründet hatte, holte er etwa neun Jahre später seinen Bruder Sholom nach Zürich. Gemeinsam mit der Eröffnung des Altersheims Esra übernahm Rabbiner Sholom Rosenfeld gemeinsam mit seiner Frau Chani das ebenfalls neu gegründete Chabad Esra. Die Gründung der zweiten Chabad-Stelle in Zürich erfolgte unter anderem auch zur Sicherstellung des religiösen Betriebs im Pflegeheim. Die damals von vielen geäusserte Vermutung, Chabad würde höchstens ein Jahr lang einen konstanten Minjan auf dieser Seeseite zustande bringen, erwies sich als falsch. Denn bis heute erfreut sich Chabad Esra grösster Beliebtheit. Und dies längst nicht mehr ausschliesslich durch einen Minjan, sondern auch durch etliche weitere Aktivitäten. Im Jahre 2000 wurde das Pflegeheim schliesslich, vor allem aufgrund einer Änderung im Krankenkassengesetz, an die Stadt Zürich verkauft. Damals schloss Chabad Esra zwar mit dem neuen Besitzer einen fünfjährigen Mietvertrag, der die weitere Nutzung des Raumes ermöglichte. Doch bereits damals kam – auch wegen der steigenden Popularität von Chabad Esra – der Wunsch nach einem eigenen Zentrum auf. Die Suche nach einem geeigneten Standort dauerte jedoch an, und so wurde der Vertrag um rund zwei Jahre verlängert.
Von der Idee zum Bau
Ein Grund für die lange Suche war der Standort eines neuen Zentrums.
«Es war uns sehr wichtig, in der Nähe des bisherigen Standortes zu
bleiben», erklärt Rosenfeld. Dies hänge vor allem damit zusammen,
dass viele Leute sich an den Standort gewöhnt haben. So gab es gar Familien,
die wegen des nahen Minjans in die Gegend zogen. Schliesslich stiess man vor
etwas mehr als drei Jahren auf ein Grundstück an der Rehalpstrasse vor
der Grenze zu Zollikon. Während der darauffolgenden rund zwei Jahre machte
die neue Stiftung Jugend- und Kulturzentrum Esra sich daran, den Bau sowie die
Finanzierung des Projektes zu planen und alle weiteren nötigen Bewilligungen
zur Errichtung eines neuen Zentrums einzuholen. Als feststand, dass das Projekt
zustande kommt, konnte die Suche nach Sponsoren beginnen. Und dies mit Erfolg.
Unter der Leitung von Marc Bloch konnten rund zwei Drittel der insgesamt 4,2
Millionen Schweizer Franken hohen Kosten durch Spenden gedeckt werden. Für
das dritte Drittel wurden Hypotheken aufgenommen. Unter den Spendern befinden
sich Privatpersonen sowie Stiftungen. Gemäss Rabbiner Rosenfeld konnte
man auch auf etliche Beiträge von Spendern zählen, die Chabad bereits
anderweitig unterstützten.
Vielseitiges Zentrum
Das neue Jugend- und Kulturzentrum wird, wie der Name schon andeutet, weit mehr bieten als «nur» einen Betsaal. Auf vier Stöcken wird es neben den Räumlichkeiten von Chabad Esra auch acht Wohnungen beinhalten. Die Wohnungen sind alle bereits verkauft worden. Eine davon an Rabbiner Sholom Rosenfeld, der so immer nahe am Geschehen sein wird. Die erste Etage bietet Platz für den Ganon (Vorkindergarten) sowie für das Foyer, das Chabad-Esra-Büro und ein Gäste-Zimmer. Im zweiten Stock befindet sich ein Mehrzweck-Raum, in dem die Gottesdienste stattfinden werden. Der Raum kann aber auch, beispielsweise für Feierlichkeiten und ähnliche Anlässe, umgestellt werden. Er wird so rund 150 Leuten Platz bieten. Da man den Raum auch für externe Feste vermieten wird, beherbergt das Zentrum auch eine voll ausgerüstete industrielle Küche. Auf den Etagen drei und vier befinden sich schliesslich die Wohnungen. Aber auch ausserhalb seiner vier Wände weiss das Zentrum zu überzeugen. So steht es in einer Grünanlage und befindet sich gleich neben einem kleinen Wald. Auf diese Weise bietet das Zentrum Raum und Infrastruktur für umfassende Tätigkeiten im Jugend- und im Kultur-Bereich.
Entscheidend ist auch hier der Standort. Denn in der Gegend auf dieser Seeseite wohnt zwar eine Vielzahl von Juden, weitere jüdische Zentren gibt es aber nicht. Die meisten Beitragenden von Chabad Esra kommen gemäss Rabbiner Rosenfeld aus Zollikon, Küsnacht, dem Zürcher Kreis 8 und weiteren umliegenden Gemeinden und Kreisen. Die Gemeinschaft und ihre Mitglieder bezeichnet er als sehr speziell. Der Wille, einen Einsatz zu leisten, sei meist vorhanden. «Anders als bei anderen Gemeinden und Minjanim brauchen die Leute bei uns einfach eher einmal einen kleinen Anstoss. Dies kann ein Anruf sein oder auch nur ein kleines Dankeschön», so Rosenfeld. Auf diese Weise kommt auch – mit wenigen Ausnahmen – jede Woche mit Leichtigkeit ein Minjan von mindestens zehn Männern zusammen. Und auch sämtliche andere Aktivitäten sind stets sehr gut besucht. Und das neue Zentrum dürfte wohl noch mehr Besucher anziehen.
Eröffnung in Schritten
Am Wochenende vom 11. und 12. April wird schliesslich das erste Mal im neuen Zentrum ein Schabbat stattfinden. Und nur eine Woche später beginnen mit dem Sederabend die Aktivitäten im Zentrum. Auf die offizielle Eröffnung des Zentrums werden die Besucher aber noch warten müssen. Diese findet erst am 31. August statt, damit die Feierlichkeiten bei sommerlichen Temperaturen in der bis dann fertiggestellten Grünanlage stattfinden können. Jener Sonntag Ende August wird auch gleichzeitig Rosch Chodesch Elul sein. Der Tag markiert den Start der intensivsten Zeit im jüdischen Jahr, welche mit Rosch Haschana und Jom Kippur sowie mit Sukkot und Simchat Thora ihre Höhepunkte hat. Somit ist der offizielle Startschuss für das Zentrum auch gleich der Start in die erste intensive Zeit des Zentrums. Dass auf das Jugend- und Kultur-Zentrum noch viele Ereignisse und Abenteuer warten, dürfte wohl nicht nur die Juden in der Umgebung freuen. Auch für das jüdische Zürich wird das Zentrum wohl eine grosse Bereicherung sein. Und für Chabad Esra ist der Einzug ins neue Zentrum, wie Rabbiner Rosenfeld es formuliert, «ein Traum, der Realität wird».
Uri Rothschild


